Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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als Macedo bezeichnet. Der Grund ist längst erkannt, aber wie
soll denn das Thebanus die Unterscheidung besorgen, wenn der
andere nicht anderswo heimatsberechtigt ist? Euphranor führt uns
schon in den Bannkreis der sikyonischen Schule, als Bildhauer
gehört er dahin, und dass er als Maler anders zu beurtheilen wäre)
ist meines Erachtens eine baare Unmöglichkeit. Nikomachos ar-
beitet in Sikyon und zwar für den Herrscher Aristratos, der, wie
sein Porträt bezeugt, die einheimische Schule zu fördern wusste.
Ich glaube, dieser Nachricht kommt ein ganz besonderes Gewicht
zu, denn damals hatte die sikyonische Malerei den Höhepunkt
erreicht, und nichts in dem, was von Nikomachos überliefert ist,
erhebt gegen den daraus zu ziehenden Schluss Widerspruch.

Aber es ist recht überflüssig, nach neuen Indicien auszuspähen,
wenn ein ganz directes und klares Zeugniss vorliegt, und ein solches
enthält eine durchaus nicht unbeachtete, aber immer nur ihres In-
haltes wegen behandelte Stelle bei Athenäus, der Aristeides, Pau-
samas und Nikophanes Pornographen nennt61) und hinzufügt:
uvnuoveüei be cujtwv tue; lauia kcxXüjc; fpacpövTuuv noXeuuiv ev toi
Trepi tojv ev Xikuüjvi nivaKuiv. So gehen denn die beiden
Stemmata auf das engste zusammen.

Aristides Thebanus ist ebensogut wie Pamphilos von Amphi-
polis Grossmeister der Schule von Sikyon. Der gewaltige Auf-
schwung, den die Tradition begreiflicherweise an einen sikyonischen
Namen anknüpft, er ist gewiss ihr Werk, denn er wird erst ver-
ständlich durch die Erkenntniss, dass ihm eine Auffrischung uud
Durchdringung des uralten Stammbaumes mit nordgriechischern
Blute voranging. Von dorther kam ihr die Technik der Enkaustik
zu, die sie zur höchsten Vollendung entfaltete, und darum konnte der
Glaube entstehen, Aristides und Pamphilus wären die ersten En-
kaustiker gewesen. Noch finden wir andere nordgriechische Namen
in der sikyonischen Schülerliste, Leonidas von Anthedon, Athenion
von Maroneia, aber freilich auch Namen von ionischen Künstlern,
die für ihren Weltruf zeugen. Die erste und notwendigste Con-
sequenz der gewonnenen Erkenntniss ist der Bruch mit der alten
Anschauung von der Einseitigkeit und Enge der sikyonischen Manier.

6I) XIII p. 567 B. Es steht Pausamas, und Sillig Brunn und andere wolle0
dafür Pausias einsetzen. Ich halte aber dafür, dass es so richtig steht und Pole-
mon noch die vollere Namensform gekannt hat, er scheint auch Melanthos für
Melanthios gekannt zu haben, vergl. Plut. Arat. 12 u. 13 = Schriftqu. 1749 u. 1769-
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