Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Zu einer Gruppe von Inschriften der
Augustalen

Bei Vorarbeiten zu einer neuen Behandlung der Augustalen-
frage stiess ich auf eine Gruppe von Inschriften, die alle aus
einem und demselben engbegrenzten Landstriche innerhalb der
XI. Region Italiens, aus Mediolanium und seinem Gebiete (C. 1.1*
V5465. 5749. 5844. 6349. 8922), sowie aus Novaria (V6518) stammen,
in denen zu der Bezeichnung sexvir Augustalis oder einfach Augu-
stalis die abgekürzte Formel c. d. d. oder in einem Falle (n. 6518)
s. c. d. d. zugefügt ist. Nach dem Vorgange der Früheren erklärten
Mommsen (C. I. L. V p. G35, dazu Index p. 1198) und näch ihm
Johannes Schmidt (De seviris Augustalibus 1878 S. 21 f.) diese
Abkürzungen mit c(reatus) d(ecurionum) d(ecreto), ersterer jedoch
mit dem zweifelnden Zusätze: cquamquam hoc displicet, cum nihil
proprium creati vocabulo adiciatur. Mir scheint es namentlich
wegen V 6518 (Augustalis s. c. d. d.) ansprechender, zur Deutung
zwei im benachbarten Vercellae • gefundene Inschriften (n. 6657.
6658) heranzuziehen, auf welchen seviri Augustales socii cultores
domus divinae erscheinen, und daneben auch einige Inschriften aus
Brixia zu vergleichen, die für diese Stadt ein coll(egium) (sex)vi-
7-(um) soccior(um) (V 4410, cf. 4203) und (sex)vir(i) Aug(ustales) soc%
(4428) bezeugen. Danach ist wohl in n. 6518 Augustalis s(ocius)
c(ultor) d(omus) d(ivinae), in den übrigen Inschriften Ang(ustalü)
oder sexvir Aug(ustalis) c(ultor) d(omus) d(ivinae) zu lesen. Zu dem
Alter der Steine — keiner derselben scheint vor die antoninische
Zeit zu fallen — und zu dem Zwecke des Augustaleninstitutes
passt dies, so viel ich sehe, recht gut.

Wien

A. v. PREMERSTEIN
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