Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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Eömische Goldbarren mit Stämpeln*)

(Hierzu Tafel II)

Ein epigraphisches Novum von grosser Wichtigkeit lieferte
der im September 1887 in Siebenbürgen gemachte Fund von abge-
stämpelten römischen Goldbarren aus der zweiten Hälfte des vierten
Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, die den Gegenstand der folgen-
den Besprechung bilden; in ihr sind die dankenswerthen Mitthei-
lungen benützt, welche Herr Director Gabriel Tegläs in Deva
über die Umstände des Fundes, das Aussehen, die Dimensionen
und Gewichte der Barren an die Eedaction dieser Zeitschrift richtete.
Auch die Facsimile der Stämpel beruhen auf Zeichnungen, die seiner
Güte verdankt werden.

Er schreibt über den Fund Folgendes: „Die Goldbarren wurden
in der südöstlichen Biegung des Häromszeker Comitates an dem
Bache Bodza bei Gelegenheit eines Strassenbaues aufgegraben.
Der Ort liegt fast gegenüber von Czöfalva, wo im Jahre 1840 vier
goldene Handbeile, mehrere goldene Phalerae, das Ende einer gol-
denen Kette, goldene Perlen, der Theil eines Zaumes und eine Gold-
platte, die 22 Loth schwer ist, zum Vorscheine kamen. Aus diesem
Fund ist ein Handbeil mit mehreren Phalerae im Antiken-Cabinet
zu Wien zu sehen ').

*) Die folgende Besprechung- wird auch in der Wiener „Numismatischen
Zeitschrift" zum Abdruck kommen. [A. d. E.]

') Arneth in den archäol. Analecten, Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wiss. VII,
Taf. 14. — v. Sacken u. Kenner, Die Sammlungen des k. k. Münz- und Antiken-
Cabinetes S. 344, n. 29. Die sogenannten Phalerae sind hohle, gewölbte Besehläg-
scheiben aus Goldblech mit Löchern zum Aufnähen auf Stoffen. Sechs in der kais.
Sammlung in Wien befindliche Stücke haben je 2-5 Cm. Durchm., 0'5 Cm. Höhe.
Die Ornamente bestehen aus einem grösseren Buckel, der von kleineren umgeben
ist. Das Gesammtgewicht der sechs Stücke beträgt nur 14'02 Gr. Augenscheinlich
bildeten diese Scheiben die Verzierung eines Gürtels oder Wehrgehänges.
Archäologisch-epigraphische Mitth. XII. j
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