Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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Auch liier wird, analog der Stilisirung der Inschrift des ersten
Stämpels, zu dem Namen Flavianus ein Zeitwort und ein Object,
auf welches sich die in letzterem ausgesagte Thätigkeit bezieht,
vorausgesetzt und beides in den Siglen der zweiten Zeile gesucht
werden müssen. Einen Aufschluss über sie gewähren die Worte
ad digma der dritten Zeile, indem sie sofort erkennen lassen, dass
Flavianus einen Gegenstand mit einem Muster, das sich in seiner
Verwahrung befand, zu vergleichen hatte. Dieser Gegenstand muss
sich auf den Barren selbst befinden und kann, da auf den Nummern
I bis IV neben dem Stämpel des Flavianus nur noch jener des
Lucianus vorkommt, nichts anderes gewesen sein, als eben die
Feinhaltsmarke des Letzteren. Aufgabe des Flavianus war es also,
den Stämpel des Lucianus mit einem in seiner amtlichen Verwah-
rung befindlichen authentischen Abdruck [digma) zu vergleichen,
die Echtheit des ersteren zu prüfen und zu bestätigen. Die In-
schrift wird also zu lesen sein: Flavias Flavianus probavit signum
ad digma; er giebt die amtliche Garantie für die Echtheit der Fein-
haltsmarke des Lucianus.

Das Wappen ist der Palmzweig.

3. QJVIRILLVS
ETDIONISVS
S IRM SIG 0

QJVIRILLVS Kwi(Kl^

ETDIONISVS
* SIRMSIG

Beide Stämpel unterscheiden sich dadurch, dass in Nr. 3 zu
Ende der dritten Zeile der Palmzweig, also dasselbe Wappen,
welches auch im Stämpel Nr. 2 vorkommt, angebracht ist, während
in Nr. 4 zu Anfang der dritten Zeile ein Stern als Wappen er-
scheint. Die Form Nr. 3 begegnet auf einem Bruchstück (XII),
die Form Nr. 4 auf einer ganzen Barre (XVI). Wie der Vergleich
der beiden letzteren Stücke mit den Barren I bis IV zeigt, tritt
der Stämpel, von dem eben die Rede ist, an die Stelle jenes des
Flavianus (Nr. 2); es muss also auch der Sinn desselben der gleiche
sein: die Aufgabe, weiche Flavianus zu lösen hatte, ist auf zwei'
obrigkeitliche Personen, Quirillus und Dionisus übergegangen, welche
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