Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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zem in der Nähe von Salona zum Vorschein kam und durch An-
kauf in das Museum gelangle. Gefunden wurde sie am 9. October
1887 in nordöstlicher Richtung von den Umfassungsmauern Salona's
an einer Oertlichkeit Namens Mrtvenice, nördlich von der Capelle
S. Cajo.

Die Statuette ist nicht ganz vierzehn Centimeter hoch und stellt
Zeus dar. Es fehlt die rechte Hand und der linke Unterschenkel,
alles Uebrige ist vortrefflich erhalten und von guter Arbeit. Zeus
steht auf dem rechten Beine und hatte das linke ein wenig nach
vorn zur Seite gesetzt. Er hält die Rechte, die den Blitz führte,
gesenkt, etwas abstehend von dem Oberschenkel, wie im Begriff
den Blitz zu erheben, und das Gesicht ist deshalb auch nach links
gewandt. Die linke Hand hatte das Scepter gefasst und ist in
Schulterhöhe erhoben; nach dem Laufe des cylindrischen Hohl-
raumes, den die geschlossene Hand umgibt, stand das Scepter senk-
recht auf dem Boden. Ein chlamysartig kurzes Gewandstück ist
auf der linken Schulter gespangt und fällt von da an der linken
Körperseite herab, indem es einmal um den linken Unterarm ge-
schlungen ist. Eine kleine viereckige Vertiefung auf der rechten
Schulter rührt von einem alten Gussfehler her. Im Hinterkopfe
sitzt ein horizontal verlaufendes kleines rundes Loch, dessen Be-
stimmung unklar bleibt.

Die Gesichtszüge, namentlich der Bart und die bewegte Stirn,
erinnern an den Typus des Jupiter von Otricoli. Aber das Haupt-
haar ist kürzer und nicht mähnenartig behandelt, auch ist es von
einem Kranze umgeben. Der Kranz besteht auf beiden Seiten des
Kopfes aus je vier sehr langen und spitzen Blättern, welche zacken-
artig abstehen und wohl als Lorbeer gedacht sind. Eine Binde
hängt mit dem Kranze zusammen, welche am Hinterkopfe aus dem.
selben hervorkommt und zu beiden Seiten auf die Schulter herabfällt

Die schöne Statuette tritt einem kleinen Kreise von Zeus-
bronzen hinzu, welche Overbeck in der griechischen Kunstmytho-
logie II S. 145 f. als rächte Gruppe« aufführt. Die hier beschrie-
benen Statuetten, von denen eine, die früher der Sammlung Pour-
tales-Gorgier angehörige, in Besancon gefunden ist, gleichen sich in
allen Hauptzügen derart, dass man auf ein gemeinsames Original
zurückschliessen darf, dessen Entstehung im vierten Jahrhundert
v. Chr. sehr wohl angenommen werden kann. Gemeinsam mit diesen
Figuren ist der unserigen von Salona die Art des Standes, die
Haltung der Arme, der Kranz, die Wendung und, soweit nach
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