Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 53
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Nereus bält die r. Hand geöffnet, die Fläche nach oben, vor
die Brust, so dass die Hand in Profilstellung erscheint. Die Zehen
seines 1. Fusses sind ausgedrückt.

Das Kreuzmuster von Doris' Chiton setzt sich nach unten
zwischen den Pferdebeinen fort.

Die Pferde des folgenden Wagens zeigen wieder vielfache
Innenzeichnung, die auf dem Stiche theilweise fehlt.

Moiren. Bei der Figur rechts läuft natürlich der untere Saum
des Gewandes rings um dasselbe her. Ihre r. Hand ist sichtbar;
ebenso, wenigstens andeutungsweise, diejenige der folgenden Figur.
Die sich dieser anschliessende Frauengestalt trägt den Gürtel sicht-
bar, gleich den übrigen. Diejenige links hat zwei Locken zur
Brust niederhängen.

Hephaistos ist arg zerstört, Einiges lässt sich aber noch fest-
stellen. Zunächst ist ein alter Irrthum zu berichtigen. Die Figur
soll in ihrer Linken Zügel, Zange, vielleicht Blasebalg, vielleicht
Blechscheere halten. Sie hält aber von alledem nichts, sondern
hat die geschlossene 1. Faust kreuzweise über dem Handgelenke
der Rechten, welche den einfachen Zügel derart fasst, dass er unter
ihrem Daumen durch die Hand doppelt geht und dass links von
der Faust die dadurch entstehende Schlinge, rechts das einfache
Zügelende hervorhängt. Rechts von der geschlossenen 1. Hand
kommt allerdings noch der Knopf eines Gegenstandes hervor, der
sich dann nach links oben stangenartig fortsetzt und kaum etwas
anderes sein dürfte, als der Stab der Geissei, wie ihn Hephaistos
auch auf der anderen Seite der Vase, bei der Rückkehr in den
Olymp, in der Linken hält. Was die Kopfwendung der Figur be-
trifft, so ist keineswegs ausgemacht, dass das Gesicht nach dem
Vorgänger gerichtet war, wie angenommen worden ist. Vom Haupte
sind allerdings nur Splitter vorhanden, aber Milani sieht in diesen
Resten, gewiss mit Recht, das Haar über der r. Schläfe, das r.
Auge und etwas vom Barte des in Vordersicht gezeichneten Kopfes.

4. Troilos' Verfolgung.
Das Quellhaus ist besser erhalten, als das Thetideion. Zwar
musste es ebenfalls aus vier Stücken zusammengesetzt werden,
doch war dabei keine erhebliche Lücke auszufüllen: nur der wasser-
speiende Kopf links, ein Drittel der nebenstehenden Säule und die
r. obere Ecke des Gebäudes waren zu ergänzen. Die Triglyphen
sind auch hier wieder nur mit blasser Farbe aufgemalt und zwar
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