Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 54
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1888/0061
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
54

in der dritten und vierten Triglyphe je drei, anderwärts nur zwei
Höhlungen; die übrigen sind ganz verwischt. Von der Tropfen-
regula konnte ich hier nichts bemerken. Die mittlere Säule ist vor
den anderen durch ein reicheres Kapitell ausgezeichnet. Auffallend
ist, dass die unter dem rechten Wasserspeier stehende Vase keinerlei
Henkel zeigt. Die in das Bauwerk hineinragende oblonge Erhöhung,
auf welcher Rhodia steht, hat in ihrer oberen Begrenzung einen
(im neuen Vorlegeblatt leider übergangenen) doppelten Contur, der
gewiss nicht ohne Bedeutung ist. Den oberen Ablauf einer Basis
kann er nicht andeuten, da er rechts und links über die verticale
Seitenlinie nicht vorsteht. Denkbar wäre, dass eine aufliegende
Platte oder ein verschliessender Deckel gemeint sei, etwa von einem
Troge zur Tränkung von Thieren. Rhodia, der gewiss das zweite
Gefäss gehört, scheint hinaufgestiegen zu sein, um besser sehen zu
können. Sie hat zwei Locken niederhängen und, wie es scheint,
auf der Brust die Verbindungsschnur zweier Fibeln.

Der Stab, welcher jenseits der Athena sichtbar wird (die gra-
virten Linien sind in die Figur selbst hineingerathen), gehört ihr
wohl nicht zu, wie Weizsäcker und Klein meinen, sondern ist das
Ende vom Speere des vor ihr laufenden Achilleus. Athena hat das
Haar rückwärts aufgebunden.

Von der Figur des Achilleus ist das Glied zum Vorschein
gekommen. Achilleus' Ausrüstung wird hiernach derjenigen des
Ares in Hephaistos' Rückkehr in den Olymp entsprochen haben.
An seinem r. Fusse sind Zehen ausgedrückt.

An der Troilosfigur ist noch weniger erhalten, als nach dem
Stich zu vermuthen wäre. Ein breiter Sprung läuft quer durch die
Mitte des Reiters, seinen Unterleib und Oberschenkel, den 1. Arm
sammt Hand und die r. Hand, an den Pferden die Leiber rück-
wärts vom Reiter, den grössten Theil der Mähnen und die Schnauzen
der Thiere zerstörend. Was der Stich hiervon bietet, ist Restau-
ration. Dagegen ist auf dem Stich ein echtes Stück übersehen,
nemlich des Troilos 1. Fuss, der neben dem rechten von jenseits
sichtbar wird. Der r. Fuss zeigt Zehen.

Derselbe Bruch hat auch die obere Hälfte des Bauches der
Hydria getroffen; daher wohl der vertikale Henkel an ihr fehlt.

Priamos stützt sich auf einen am oberen Ende beringten Stab.
Das Saummuster seines Mantels setzt sich unter der 1. Hand fort
und ist mit einem Gewichtchen beschwert.
loading ...