Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 55
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Die Stadtmauer ist durch einen Bruch verletzt, der ihre rechte
obere Ecke wegnahm und die Zinnen auch sonst beschädigte. Ganz
oder theilweise unberührt blieben die vier Zinnen links, denen zwei
weitere rechts hinzuergänzt sind; auch der von links dritte und
vierte Steinhaufen ist theilweise, der fünfte ganz ergänzt. Der
Stich variirt willkürlich die Höhe und Form der einzelnen Steine.
Man erkennt jetzt, dass mit Sorgfalt ein genau aufgeschichteter
Quaderbau dargestellt ist. Regelwidrig ist nur, dass das rechte
Ende des Thürsturzes mit einer oberen Stossfuge zusammenfällt.

Dass Hektor auf seinem Schilde ein bärtiges Gorgoneion trug,
hat Brunn gesehen. Ich gewahrte von demselben ausser dem um-
rahmenden Haupt- und Barthaar auch noch die r. Augenbraue und
den Umriss des darunter sitzenden weitgeöffneten Auges, sowie
einige andere Linien, in welchen ich den r. Nasenflügel und die
Hälfte des offenen Mundes erkennen möchte.

5. Theseus-Ariadne.
Gerhard, sowie Weizsäcker und neuestens auch Klein lassen
das Schiff mit dem Vordertheile gelandet sein, während es doch
augenscheinlich das Hintertheil ist, das hier, nach rechts gekehrt,
in zwei Schwanenhäuptern endet, worauf schon die beiden Steuer-
ruder leiten konnten. Auch hat weder Klein Recht, wenn er den
anderen Theil des Schiffes verloren nennt, noch Weizsäcker, wenn
er, in gleicher Meinung, die isolirten Reste einer Darstellun g link
am Ende für „Felsen" nimmt, „die eine Bucht einschliessen".
Diese „undeutlichen Linien" sind yielmehr der Schnabel des Schiffes,
der in Folge einer rechts vorhandenen Lücke im Gefässe den Zu-
sammenhang mit dem übrigen Schiffskörper verloren hat. Das
Fahrzeug ist ein Kriegsschiff und stimmt in allem Wesentlichen
mit dem Typus überein, der auf schwarzfigurigen Vasen vorzu-
kommen pflegt. Es ist eine Monere mit beiderseitigem Steuer, am
Vordertheile mit stumpfem Sporn, dem das seitliche Auge nicht
fehlt, überragt vom Vorderkastell, das ein gerade aufragendes Horn
als Akrostolion trägt. Auch ein Mastbaum fehlte nicht. Aufge-
richtet konnte er freilich nicht gewesen sein, schon der Künstler-
inschrift wegen nicht, die über der Schiffsmitte herläuft. Aber ich
gewahre ihn, wie es ja der Situation eines gelandeten Fahrzeuges
entspricht, niedergelegt in der erhaltenen r. Schiffshälfte, die Spitze
dem Hintertheile zugeneigt. Ob der Gegenstand, der sich der
Mastspitze oben anschliesst, als ein gerolltes Segel, ein Mastkorb
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