Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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Zur Daidalidenfrage

(Nachtrag zu Bd. XI S. 204)

Gegenüber dem von Urlichs „Beiträge zur Kunstgeschichte"
S. 4 erhobenen Vorwurfe, es sei bei meiner Deutung der Pausanias-
stelle V 25, 13 „eine grammatische Regel übersehen", erlaube ich
mir z. B. auf Isaios or. VIII §. 20 hinzuweisen , wo ebenfalls zwei
nicht identische, sondern begrifflich verschiedene Ausdrücke, zwi-
schen denen jedoch eine innere Verwandtschaft besteht, durch eine
Copulativpartikel in positiver Weise verbunden sind, obwohl die
betreffenden Satzglieder von einem negativen Ausdrucke abhängen.
Nachdem dort im §. 18 ausdrücklich dargelegt worden ist, dass
unter Yauouc; effnäv und YaunAiav eiffcpepeiv zweierlei verschie-
dene Akte gemeint sind, heisst es im §. 20 nach negativem regie-
rendem Satze (ur) oiecrOe): ui'it3 av töv Tratepa tmüJV yäuouc; ecrnäv
icai x.äjiiT|X-8av eiaeveyKeiv ... UVfTe xaq .. . YuvaTxac; aipeiffOai... ufjf e
Toüq qppaxepac; elcrbexecrOai r\uiäq.

Es hätten die vier Aussagen:

1. dass der Vater den Verwandten kein Hochzeitsmahl ge-
geben haben würde;

2. dass er den Phratoren keinen Schmaus gegeben haben
würde;

3. dass die Frauen die betreffende Tochter des Kiron nicht
bei den Thesmophorien ausgezeichnet haben würden;

4. dass die Phratoren die Kinder der Tochter des Kiron
nicht in die Phratrie aufgenommen haben würden (wenn
sie nämlich die Tochter des Kiron nicht für seine leib-
liche und eheliche Tochter gehalten hätten),

allerdings in ganz gleicher Weise durch ufjxe eingeführt werden
können; aber, da zwischen den zwei vom Gatten zu veranstalten-
den Mahlzeiten eine engere begriffliche Verbindung besteht, als
zwischen diesen zwei Gliedern und den zwei folgenden, darum sind
die zwei ersten mit keti verbunden, die anderen so wie das erste
mit ur|xe eingeleitet. Zu bemerken ist hiezu, dass statt dieses ein-
fachen Kai ebensogut xe Kai zur Verbindung beider Akte des Vaters
hätte gewählt werden können, wenn es dem Sprecher beliebt hätte,
diese Verbindung als eine noch engere und innerlichere zu be-
zeichnen.
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