Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 66
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1888/0073
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
66

Römische Goldbarren mit Stämpeln

(Hierzu Tafel III)

Auf einer Reise, welche ich im Auftrage der königlichen
Akademie der Wissenschäften zu Berlin ausgeführt habe, hatte ich
auch Gelegenheit, alle Bestandtheile des grossen Fundes goldener
Barren, über welchen Kenner auf S. 1 ff. dieser Zeitschrift gehandelt
hat, zu sehen und eingehend zu prüfen.

Da das Resultat dieser Untersuchung von der Beschreibung
des Fundes, welche Tegläs bei Kenner gegeben, in einer Reihe
wesentlicher Punkte abweicht, so gebe ich auf Wunsch der Redac-
tion dieser Zeitschrift meine eigenen Beobachtungen wieder.

Der Fund bestand angeblich aus zwölf Goldbarren. Dem
gegenüber steht es aber fest, dass eine dreizehnte im Wiener
Privatbesitze sich befindet, ohne dass die Existenz noch weiterer
Barren ausgeschlossen wäre.

Die Barren sind in oben offenen Formen von länglicher koni-
scher Gestalt gegossen worden. Deshalb ist die obere Fläche un-
eben und unregelmässig begrenzt. Diese Unregelmässigkeit des
Randes ist durch das Eindrücken der Stämpel in das weiche Metall
noch erhöht worden, so dass die Maasse derselben Barre besonders
für die Breite und Höhe je nach der Stelle, an welcher man misst,
bis auf 05 Cm. schwanken. Der Feingehalt des Goldes wurde für
sechs Barren (I. II. III. VII. IX. XI) durch das königl. Münzamt in
Pest bestimmt. Er beträgt 980 Theile reinen Goldes auf 1000
Theile.

Die bekannt gewordenen Barren sind mit Stämpeln versehen,
welche in fester Folge verbunden, drei verschiedene Reihen bilden.
Die erste Reihe besteht aus zwei verschiedenen Stämpeln:

1. LVCIANVS
OBR-I- SIG £

2. FL- FL AVI AN
VS PRO-SIG
AD DIGMA 0

Der erste Stämpel findet sich auf jeder Barre nur einmal.
Der zweite ist auf jeder Barre drei bis viermal wiederholt. Nimmt
loading ...