Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 85
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Studien zur griechischen Malergeschichte

ii

Die helladische und asiatische Schule

In der stattlichen Liste der Erfinder der Malerei haben wir
auch Saurias von Samos aufgezählt gefunden. Von seinem Pferde-
bilde vermochten wir freilich nicht mehr zu sagen, als dass es
seine Entstehung der Erklärung des Wortes £ujypaqna zu danken
haben möchte. Aber die Localisirung der Erfindung der Malerei
zu Samos wäre doch undenkbar, wenn dort nicht in der That eine
alte Malerschule vorhanden gewesen wäre und sichere Spuren ihres
Daseins hinterlassen hätte. Ist es doch von vornherein sehr wenig
wahrscheinlich, dass gerade in dem Mittelpunkt« der altionischen
Kunst, in der Heimat des grossen Theodoros, die Malerei in dem
ßeigen ihrer Schwestern gefehlt habe, zumal ihre Existenz auf
kleinasiatischem Boden durch die Sarkophage aus Klazomenä und
ihr hoher künstlerischer Werth durch die chalkidischen Vasen er-
wiesen wird'). Hat sich unsere Voraussetzung vom ursprünglichen
Zusammenwirken und Wachsen der bildenden Künste für das Cen-
trum der altdorischen Kunst vollauf bewährt, so muss sie sich ihre
Geltung auch hier erkämpfen.

Die Möglichkeit einer „Berühmtheit altsamischer Malerei, welche
dem Ruhme der samischen Erzbildnerei entspräche", hat bereits

*) Die Erforschung der kleinasiatischen Vasenfabriken ist noch eine Auf-
gabe der Zukunft. Zu Dümmlers schöner Entdeckung, dass die bisher falsch Ari-
stonophos gelesene Inschrift des ältesten Vasenmalers 'ApiCFTUJV 6 9tI)(io)? lautet,
möchte ich noch an den 9010$ Meistersignaturen 214 erinnern. Vergleiche jedoch
auch Wiener Vorlegeblätter 1888, Text zu Taf. I 8. Für Erythrai liegt ein, so
viel ich sehe, bisher nicht beachtetes Zeugniss des Plinius 35, 161 vor: Erythris
in templo hodieque oatenduntur amphorae duae propter tenuitatem consecratae discipuli
magistrique certamine, uter tenulorem humum duceret. — Erst nach Schluss dieser
Arbeit ist mir Dümmlers Aufsatz Köm. Mitth. III S. 159 „ Vasenscherben aus
Kyme in Aeolis" zugekommen.

Archäologiscli-epigraphisclie Mitth. XII. 7
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