Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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Soweit, wie gesagt, die Trümmer der Ueberlieferung. Was sie ver-
schweigt, lässt uns die Angabe Strabo's über die samischen G-emälde-
gallerien in seiner Beschreibung der Stadtanlage von Samos XIV
p. 637 C ahnen; sie lautet: 'En' dpicrrepa öe TO irpodcrxeiov xö rrpöq
tuj cHpaiw Kai 6 "lußpacroc; TCOTauoc; Kai tö 'Hpaiov, dpxalov kpöv Kai
veüuc; uefaq, 8^ vuv mvaKoQriKn ecrxi1 xwpic; °e T°u Tr\r|6oug tüjv ev-
xaööa K£i)uevujv mvaKcuv dAXai TrivaKo6f|K0ii Kai vatcFKOi Tivec; eiffi
rrXripeiq tüjv dpxaituv xexvaiv. Daran schliesst sich die Erwähnung
der Statuensammlung im Hypäthron des Tempels. Auch dass hier
der bekannte Wettkampf zwischen Parrhasios und Timanthes statt-
fand, zeigt, dass die Hera von Samos der Malerkunst gewogen war.

Das Erbe der samischen Schule traten Kolophon und Ephesos
an. Dionysios und Parrhasios sind die ersten grossen Vertreter
dieser beiden Kunststätten, und der grösste aller ionischen Maler,
Apelles, ist bekanntlich cpuffei Kolophonier, öecrei Ephesier. Mit ihm,
so scheint es wenigstens, erhält erst die Schule den Beinamen der
ionischen, den sie gegen ihren alten, den der asiatischen eintauscht;
es liegt diesem Wechsel der Bezeichnung die Thatsache zu Grunde,
dass sie nun die einzige Vertreterin der ionischen Malerei geworden
ist, nachdem die helladische Schule, gleich ihr ionischen Ursprunges,
aufgehört hatte ionisch zu sein und die verschiedenen Elemente,
die sie vereinigte, zu einem Theile in der attischen und zum anderen
in der sikyonischen Schule aufgegangen waren.

Die helladische Schule beginnt mit Polygnot. Vor ihm war
die Schule von Thasos eine Localschule, die vermuthlich in enger
Verbindung mit der von der Mutterinsel Paros stand, indess wir
wissen von ihr nichts mehr als den Namen des Vaters Polygnots,
und auch den, wie jetzt die Theoreninschriften von Thasos zeigen9),
nicht in der richtigen Form. Es ist ein hübscher Zufall, dass uns
diese Inschriften fast die ganze Reihe der literarisch bekannten
thasischen und parischen Malernamen aufzählen, zumal jeder
Identificationsversuch durch ihre Datirung ausgeschlossen bleibt.
Neben TToAuyvoitoc; AfAuJcpujvToc; erscheinen zwei verschiedene
'Apiffiocpiuv, dann NiK^vuup und 'ApKeaiXetui;. Wir können daraus
betreffs der beiden letzten Namen den Schluss ziehen, dass die

nicht, dass der erstere Name ein Hypokoristikon des letzteren sei. An Theon und
Theoros erinnert stark der Theon Theonos Lowy, Inschr. gr. Bildh. 209.

'■') Beohtel, Abhandlungen der Göttinger Ges. d. Wiss. 1885 S. 10. 16. 17.

21. 23.
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