Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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Parier Nikanor und Arkesilaos des Plinius sich eine ähnliche Zu-
rechtlegung ihres Namens wie Agiophon haben gefallen lassen
müssen. Die drei ersten Namen beweisen, dass die Familie des
Agiophon noch spät in Thasos eine hervorragende Stellung ein-
genommen hat, denn wir dürfen doch diese Theorensteine als heraus-
gerissene Blätter eines Adelsbuches betrachten.

Ich weiss wohl, dass ich nun, da einmal das Stichwort ge-
fallen ist, auch das Recht hätte über Polygnot mein Sprüchlein
zu sagen, und wenn es mir nun widerstrebt es hier zu thun, so
ist dabei vor Allem der Gedanke massgebend gewesen, dass ja
binnen Kurzem von anderer Seite in grösserem Zusammenhange
über den gewaltigsten Dichter unter allen hellenischen Künstlern
gesprochen werden wird10). Aber einer Kleinigkeit, die ich am Wege
finde, darf ich doch wohl erwähnen und dazu an Dümmler's ge-
haltreichen Aufsatz im II. Bande des Arch. Jahrbuches anknüpfen10").
Der Nachweis einer Gruppe thasischer Vasen, die von dem Wirken
des grossen Landsmannes besonders eindringliches Zeugniss geben
(hängt mit ihr vielleicht auch der Vasenmaler Polygnot zusammen?)
ist sicherlich dankenswerth, und ich stimme gerne auch darin mit
Dümmler überein, dass es Polygnot gewesen sei, der den Odysseus-
typus geschaffen habe. Wenn nun Dümmler die Frage nach der
Herkunft des Penelopetypus stellt und auch dabei an Polygnot zu
denken geneigt ist, so glaube ich, dass es an der Zeit wäre, die
vielbehandelte Stelle des Plinius von der Penelope des Zeuxis einer
erneuten Betrachtung zu unterziehen. Plinius erwähnt bekanntlich
dieses Bild 35, 63 mit den Worten: fecit et Penelopen in qua pinxisse
mores videtur, und setzt sich damit in den schärfsten Widerspruch
mit Aristoteles, der Poet. 6, 11 ganz trocken ausspricht: f| be
ZeuSiboq YPa<F) oubev e'xei f\Qoq. Schon Otto Jahn hat alle Ver-
suche, diesen Gegensatz wegzuleugnen oder wegzucorrigiren, abge-
than, doch kann ich seiner Auffassung nicht beipflichten, die in
diesem Gegensatze eine Wandlung des Kunsturtheiles erblickt11).
Gewiss zweifelt kein Einsichtiger daran, dass es solcher Wand-

*°) Vergl. inzwischen die Erörterungen in der athenischen archaeologischen
Ephimeris 1887 S. 124 ff.

10a) Zu den daselbst S. 173 aufgezählten Beispielen des thasischen Gebrauches
des Q auf Vasen füge ich noch Panofka Gab. Pourtales - Gorgier Taf. 25 mit der
Inschrift AicpiXaii; und die Vasen mit der Lieblingsinschrift des Kleinias (siehe
Heydemanns Vasensamml. zu Neapel Nr. 3125) hinzu.

") Berichte der sächs. Gesellschaft der Wiss. 1850 S. 105 ff.
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