Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 93
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Damit ist aber auch zugleich die Frage, wie Ai istophon zu
seinem Bruder stand, im Grossen und Ganzen wenigstens, erledigt.

Das zweite uns von Plinius tiberlieferte Bild soll den verwun-
deten Ankaios mit seiner schmerzergriffenen Mutter Astypalaia dar-
gestellt haben, ich kann aber die Vermuthung nicht unterditicken,
dass diese alte Deutung für uns keine bindende Kraft hat. Der
verlegene Mythos aus der samischen Urgeschichte, der wie aus-
drücklich herbeigezogen erscheint, damit wir nur nicht an das
Nächstliegende, an Adonis und Aphrodite denken, hätte nur An-
spruch auf Geltung, wenn wir wüssten, dass Inschriften ihn hier
bezeugten. Stammt aber diese Deutung nicht etwa von Duris von
Samos, der ja auch als Abkömmling des Alkibiades sich für Bilder
des Aristophon interessiren mochte ?

Ein drittes Bild unseres Meisters, einen Philoktet, erwähnt
Plutarch zweimal mit der Statue der lokaste. Ich vermuthe, es ist
dasselbe Philoktetbild, welches Pausanias in der Pinakothek der
Propylaien angibt und das man so lange beharrlich Polygnot znge-
theilt hat. In dieser Pinakothek war Aristophon schon durch seine
Verherrlichung des Alkibiades vertreten, aber freilich gerade hier
schwankt die Ueberlieferung zwischen ihm und Agiophon. Wir
werden also zunächst die Zeugen verhören. Zuerst Satyros, der bei
Athenaios XII p. 534, die Sache ausführlich erzählt: AcpiKÖuevoc;
b' ('AXKißidbnc;) 'AGrjvriciv e£ 'OXuumaq büo rrivcxKac; dveOnKev 'Aj\ao-
cpujvro^ Ypcitp'iv div ö uev eixev 'OXuumdba Kai TTu9idba (TTecpavoüffas
ccötöv, ev be Gaiepai Neuea fjv KaGnuevn Kai erri tu)v yovaTtuv aÜTrjc;
'AXKißidbnc; KaXAiujv cpaivöuevoc; tujv YuvaiKeituv Trpoffumwv. Dagegen
Plutarch Alcibiades c. 16: ApiffTocpuivio«; be Neueav Ypaipavroc; ^v Ta>?
dYKdXaii; aiiTfjc; Ka9r|uevov 'AXKißidbnv e'xouffav, e9ewvxo Kai cruve-
xpexov xaiP0VT£?- 01 °£ Trpeaßuxepoi Kai toutoic; ebucrxepatvov, die;
TupavviKoii; Kai Tiapavöuoic;. Dieses Bild hat auch Pausanias ge-
sehen, der aber leider bei seiner Erwähnung den Künstler anzu-
geben unterlässt, I 22, 6: -fpaepai be eien Kai dXXai Kai 'AXKißidbiig,
ittttuuv be oi vikii? Tfjc; ev Neuea ecn-'i önueia ev xfj YPaW Man hat
auf zweifache Weise versucht eine Uebereinstimmung zwischen der
Stelle bei Athenaios und der des Plutarch herzustellen, indem man
entweder dort oder hier operativ eingriff. Brunn schreibt bei Athe-
naios ['Apio~to(pu)VTOc; xoO] 'AYXaocpujvTO^, Kroker zieht vor bei
Plutarch 'AYXaoqpuivxoq be [tou 'ApiffTocpuivroc;] zu lesen, und die
Antwort auf diese Frage soll zugleich über Sein oder Nichtsein
des jüngeren Agiophon entscheiden. Stünde die Sache so einfach,
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