Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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dass ihn auch seine uns bekannten Werke als Athener verrathen,
die beiden für Athener gearbeiteten Statuen, wie seine Bilder, von
denen bloss eines, die Argonauten, nicht dem attischen Sagenkreise
angehört, während die Theseusthaten wie die Amazonomachie durch
ihn ihre Verherrlichung gefunden haben. Auch sein längst aner-
kannter Einfluss auf die attische Vasenmalerei, wie seine grosse
Popularität in Athen, welche Aristophanes' Erwähnung, das Sprichwort
vom Butes, Simons Urtheil über seine Pferde, wie die Prozess-
legende bezeugen, und die schliesslich so weit geht, dass er die
Marathonschlacht gemalt haben soll, alles das legt für sein echt-
bürtiges Athenerthum Zeugniss ab.

Von den sieben Gemälden, die Overbecks Schriftquellen von
ihm aufzählen, sind leider zwei in Abzug zu bringen. Zunächst
die Marathonschlacht, die Panainos gemalt hat. Das geht aus der
TJebereinstimmung des Plinius und Pausanias hervor, die beide
Panainos allein als den Meister des Werkes nennen. Zwar weiss
Aelian davon zu erzählen, dass man bezüglich der Zutheilung dieses
Bildes zwischen Polygnot und Mikon schwanke, aber dieser Irr-
thum ist sehr begreiflich. Die Amazonen- und die Perserschlacht
flössen leicht ineinander, auch Plinius vertheilt einmal, obgleich er
den Ursprung des Marathonbildes kennt, die Werke in der Stoa
poikile zwischen Polygnot und Mikon, und der Zeugnisswerth der
Stelle des Sopatros ist gleich Null20). Die conciliatorische Kritik
findet freilich auch hier ihren gewohnten Ausweg, indem sie Mikon
und Panainos gemeinschaftlich arbeiten lässt und dem Letzteren,
seinen stärkeren Ansprüchen zu Liebe, den Hauptantheil zuweist5').
Indess, solche Hausmittel verfangen nicht mehr.

Das zweite dem Mikon fälschlich beigelegte Bild ist Nr. 7
bei Overbeck, „Tbeseus Ende" überschrieben. Liest man die ab-
gedruckte Pausaniasstelle unbefangen, so wird man den Anlass,
hier ein Bild hinein zu interpretiren, kaum finden können. Erst
wenn man das beigefügte Citat nachschlägt, merkt man, dass es
sich um einen frommen Wunsch nach einem kleinen Cyclus und nach

50) Sein Anklagethema gegen Mikon, er habe die Barbaren grösser gemalt
als die Hellenen, ist, wie die Beschreibungen der Marathonomachie lehren, einfach
erfunden. Ich denke, es ist ihm dafür nicht mehr zu Gebote gestanden, als uns
noch heute, das lykurgische Fragment aus Harpokration, das ohne Angabe des
Grundes von einer Verurtheilung unseres Meisters zu einer Geldstrafe von einem
halben Talente berichtet.

n) Jahn, Arch. Aufs, S. 16; Brunn, Künstlerg. II S. 19,
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