Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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dieser Halle einen weiteren Anhaltspunkt. Bricht man es aber
heraus, dann zerstört man das Ganze, denn allein haben die Iliu-
persis wie die Amazonomachie keinen rechten Sinn. Demnach
muss die Angabe Strabos entschieden verworfen werden, während
sich gegen die andere kaum ein Argument finden lassen wird. Ihre
Annahme führt uns auch einen Schritt weiter. War Panainos wie
Phidias Sohn des Charmides, dann liegt es nahe uns auch diesen
als Künstler zu denken und zwar als Maler, denn auch Phidias,
der die Plastik bei Hegias lernt, war „initio pidoru. Vielleicht ist
auch der Maler Timainetos, dessen Ringerbild Pausanias in der
Pinakothek erwähnt, vom gleichen Stamme, der Namensanklang
legt diese Vermuthung nahe.

So rücken denn die grosse delphische Erzgruppe und das
Mittelbild der Ruhmeshalle nun noch enger zusammen, wie denn,
was wir sonst von der Thätigkeit unseres Meisters hören, völlig
untrennbar von der seines grösseren Bruders ist, und doch bürgen
uns die Beschreibungen des einen Bildes dafür, dass er dieses
Bruders würdig war. Trotzdem ist er gegen einen uns sonst un-
bekannten ionischen Meister, Timagoras von Chalkis, im Wett-
kampfe unterlegen. Die Geschichte ist so wie sie bei Plinius steht
viel zu interessant, als dass wir sie uns nicht näher besehen sollten.
Die Stelle lautet: quin immo certamen etiam picturae ßorente eo iri-
stitutum est Corinthi ac Delphis, primusque omnium certavit cum Tima-
gora Chalciden.se, swperatus ab eo Pythiis, quod et ipsius Timagorae
carmine vetusto adparet, chronicorum errore non dubio. Das Merk-
würdigste ist hier jedesfalls das alte Gedicht des Timagoras. Dass
es Plinius in irgend einer Anthologie gefunden habe, davon kann
freilich keine Rede sein. Es war einfach eine metrische Weihin-
schrift an dem Anathem des Timagoras in Delphi, die kein anderer
als Polemon chronologisch verwerthet hat. Das erklärt denn auch
den streitbaren Ton der Notiz. Die Chronika hatten erst mit
Olymp. 90 von den Malern zu reden begonnen, nun wird der in-
schriftliche Beweis geführt, dass die Wettkämpfe in der Malerei
schon älter sind. Wessen Chronika solches berichteten, macht
der Name des Polemon klar, der ja gegen Eratosthenes mit dem
gröbsten Geschütz zu Felde zog. Die Akme des Panainos (ßo-
rente eo) wurde nach dem überlieferten Datum der Einsetzung
dieses Agon construirt, bekanntlich führt Phidias das gleiche Datum,
über dessen Herkunft sehr verschiedene Ansichten aufgestellt worden
sind; aber man hat es stets als selbstverständlich angesehen, dass
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