Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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davon der Ansatz für Panainos abgeleitet worden ist, und doch
war, wie man sieht, gerade das Gegentheil der Fall.

Kein Inschriftstein hat uns bis jetzt von den Wettkämpfen
der Maler erzählt, das Epigramm des Timagoras lässt uns aber
hoffen, dass auch diese Lücke vielleicht nicht für immer unausgefüllt
bleiben wird. An literarischen Zeugnissen ist auch nicht sehr viel
vorhanden, ich will hier anfügen, was ich zusammenraffen konnte.
Am bekanntesten sind nebst unserer Pliniusstelle die Siege des
Timanthes über Parrhasios und über Kolotes. Als Ort des ersten
Kampfes ist Samos angegeben, dabei ist offenbar an das Herafest
zu denken. Von einem Wettkampfe bei den isthmischen Spielen,
bei dem Parrhasios gesiegt haben soll, berichten auch die Paroimio-
graphen zur Erklärung des Sprichwortes ouoev rrpöc; töv Aiövuffov,
wir erfahren aber durch Strabo, der Polybios als Gewährsmann
nennt, dass das Sprichwort auf ein zu Korinth befindliches Bild
des Aristides bezogen wurde, und dadurch wird die Entstehung
der anderen Version noch klarer, aber die Bestätigung des plinia-
nischen certamen institutwm est Corinthi ac Delphis wird man unbe-
denklich hinnehmen können. Für Olympia darf man wohl die
Nachricht bei Lncian verwenden, dass Aetion dort sein Alexander-
und Roxanebild ausgestellt und als Preis die Tochter eines Hella-
nodiken Namens Proxenidas errungen habe. Die Hellanodiken
scheinen also auch über Bilder ihres Richteramtes gewaltet zu haben.
Einen weiteren Hinweis enthält das von Plinius beschriebene Auf-
treten des Zeuxis in Olympia, das ich noch später einer genaueren
Betrachtung zu unterziehen haben werde.

Von einer Kunstausstellung am Feste der Hera Lakinia er-
fahren wir gelegentlich der Erwähnung des berühmten Teppiches,
den Alkisthenes, der Sybarite, dort ausgestellt hatte25), aber auch für
Athen liegt eine bestimmte Nachricht vor. Plinius erzählt 35, 125
von dem Blumenmädchen des Pausias: huius tabulae exemplar, quod
wpographon vocant, L. Lucullus duobus talentis emit Dionysiis Athenis.
Warum gerade an den Dionysien? Offenbar weil zu dieser Zeit
zu Athen die „Jahresausstellung" eröffnet war, und das wirft viel-
leicht auf manche Stelle des Aristophanes, die sich mit sensatio-
nellen Bildern beschäftigt, wie Acharner991 mit dem Eros des Zeuxis,
Plut. 385 mit den Herakliden des Pamphilos, und auf seine Invec-
tiven gegen Pauson neues Licht. Geschichten wie den Wettkampf

aS) Vergl. Benndorf bei Heibig, das homerische Epos5 S. 232, 1.
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