Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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macht sich darin freilich bemerkbar, konnte doch eine spätere
Zeit sogar hier erst den Anfang ansetzen, aber auch ein Glaube
der allein Wunder wirkt. Selbst unser Plinius wird plötzlich
poetisch, das sicherste Zeichen, dass er eine grosse Dummheit
macht und dass man ihm scharf auf die Finger zu sehen hat, doch
davon später. Was er Thatsächliches von unserem Meister be-
richtet, ist nicht viel. Zwei Werke und die Olympiadenzahl, dazu
darf man vielleicht ein drittes hinzufügen, ich meine natürlich nicht
das, was in den Overbeck'schen Schriftquellen als Nr. 3 angeführt
wird27), sondern jenes Athletenbild, das Plinius dem Zeuxis vindicirt,
dem aber das apollodorische Siegel in dem Verslein uwurjcreTou Tic;
uciXAov r\ uiuricrexou aufgeprägt war. Auch die Nachricht von einem
Odysseus mit dem Schifferhute, die uns das Scholion zu Ibas X 265
überliefert, dessen Missverständniss bei Hesych schon Osann klar-
gelegt hat, möchte nicht nothwendig auf ein weiteres Bild zurück-
zuführen sein. Seitdem eine treffende Bemerkung Furtwänglers
die frühere Vorstellung von seinem Aiasbilde berichtigt28) hat, ist
darin auch für den Odysseus Platz geworden. Da wird man sich
kaum des Gedankens erwehren können, die sophokleische Tragödie
habe hier befruchtend gewirkt, aber auch für die simple Hutge-
schichte ist die Sache nicht gleichgiltig. Das Bild hing zu Per-
gamon und da wäre dann ihr Ursprung zu suchen. An der Dürf-
tigkeit an positiven Bilderberichten ist sicherlich der Umstand
schuld, dass auch den nachfolgenden Generationen die Bedeutung
des Meisters nicht in seinen einzelnen Werken, sondern in seiner
befreienden That zu liegen schien, und aus dieser Empfindung heraus
ist auch der merkwürdige Vers des Malers Nikomachos gedichtet,
der das schönste Zeugniss des Ruhmes unseres Meisters bildet.
Selbst das bei Plinius angegebene Blüthedatum Ol. 93 erweist
sich als wenig verlässlich. Wonach es bestimmt wurde, wissen wir
nicht, die Ziffer ist jedoch schon lange aus dem Vergleiche mit dem
annähernd genau bestimmbaren Ansatz für Zeuxis als zu hoch ge-

") Die Herakliden des Pampiiilos, auf die Aristophanes Plutos v. 385 an-
spielt und die in den Scholien kurz beschrieben werden, galten trotz dieser An-
spielung als ein Werls Apollodors. Die Lösung der Schwierigkeiten, an denen sich
die Scholiasten hier vergebens mühen, scheint mir nicht so unmöglich, als sie Ai ch.
Zeit. 1876 S. 34 hingestellt wird. Sicher ist die Existenz und der Künstlername des
Bildes. Daraus folgt nun, dass Pamphilos eben nicht der Sikyonier war, und dass
er seiner Art nach Apollodor nahe stand, lässt die Umnennung schliessen.

2S) Jahrb. f. cl. Piniol. 9. Suppl. S. 53.
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