Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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griffen erkannt; ich werde auf sein bei Plinius berührtes Verhältniss
zu diesem noch einzugehen haben und begnüge mich hier mit der
Bemerkung, dass ich Apollodor für einen Zeitgenossen des Phidias
halte.

Mit dem Auftreten Apollodors hatte Athen die Führung auf
dem Gebiete der Malerei an sich genommen, wie es durch Phidias
die Führung auf dem Gebiete der Plastik erlangt hat, doch mit
ungleichem Erfolge. Die beiden Meister, die Apollodors Erbe an-
treten, Zeuxis und Parrhasios, sie stehen sich wieder als Häupter
der helladischen und asiatischen Schule gegenüber, nur dass Athen
jetzt endgültig das Centrum der helladischen Schule geworden zu
sein scheint. Der Haupterbe war jedesfalls Zeuxis, sagt doch Quin-
tilian, dass er die Kunst der Licht- und Schattenvertheilung erfunden
habe, als ob er Apollodors Namen nie gehört hätte. Wir werden
uns also zunächst mit ihm zu beschäftigen haben.

Seine Heimat war Herakleia. Diese Thatsache hat er in den
Versen, die ihm Parrhasios stolze Herausforderung abgerungen,
an erste Stelle gesetzt. Aber welches Herakleia? Darüber verliert
weder er, noch Piaton und Xenophon, die von Sokrates warmem
Interesse für den jungen, nach Athen eingewanderten Künstler be-
richten, ein Wort. Man hat in alter und neuer Zeit auf das Herakleia
in Lucanien gerathen. In alter Zeit, das ergibt sich daraus, dass
man ihm statt des überlieferten Lehrers aus Thasos den Demo-
philos von Himera zum Meister gab und seine Akme von 89 auf
95, 4 überstellte. Für die neuere Forschung waren das zunächst
weitere Daten. Das unteritalische Herakleia bleibt; Zeuxis wandert
früh nach Norden, um die Lehre beider Meister zu geniessen, ob-
schon der sonst unbekannte Neseas von Thasos die Kosten kaum
lohnt, und da eine kunstgeschichtliche Hauptquelle, der edle Tzetzes,
seine Heimat vergessen hat und von ihm, da er eben von Parrha-
sios handelt, zagend bemerkt, öokuj Kai eS 'Ecpecrou, so lässt man
ihn schliesslich in Ephesos seinen festen Wohnsitz nehmen "9). Das
vierte Jahr der 95. Olympiade bildet auch keine unübersteigliche
Schwierigkeit, passt es in seine Lebenszeit nicht hinein, so kann
es ja sein Todesdatum sein. Dabei hat man jedoch übersehen, dass

ls) So Bursian, Allg. Encycl. I. 82 S. 469 und Wustmann Apelles S. 2,
selbstverständlich naeli Brunns Künstlergeschichte. Doch siehe Förster, Rheinisch.
Mus. 1883 S. 436, auf dessen Auseinandersetzung über Tzetzes Glaubwürdigkeit
bereits im ersten Theile dieser Studien S. 213 [23] hätte verwiesen werden sollen.

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