Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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den er nach attischer Weise mit sechzehn Jahren taxirt, und rechnet
dann sein vierzigstes Lebensalter als Ahme heraus, also 24 Jahre
dazu, macht Olymp. 95, 4. Wer der erste Rechner war, das mag
dahingestellt bleiben, der zweite war sicher Apollodor der Chrono-
graph. Das ergibt sich nicht bloss aus der Art der Rechnung, son-
dern auch aus einer schärferen Betrachtung des Plinianischen Textes.
Ich habe oben bemerkt, dass der Anfang unserer Stelle und der
Vers des Malers Apollodor, das Oeffnen der Thüre und das Weg-
tragen der Kunst, auf das Engste zusammengehören. Daraus ergibt
sich nun der Sachverhalt von selbst. Die unmittelbare Quelle des
Plinius gab zur Bekämpfung des Ansatzes Olymp. 89 ein Citat aus
der Reimchronik Apollodors. Unser Autor überträgt davon ein Stück
in seine Prosa, bewahrt aber doch einen Vers, der ihm merkwürdig
erscheint; dass er hiebei den Namen des Dichters hinzufügt, ist nur
recht und billig, dass er diesem Namen ein supra scriptus hinzufügt,
das ist eine seiner allerschönsten Dummheiten, weiter nichts.

Ich will nur noch der Schwierigkeiten gedenken, die ohne
diese Annahme uns aus dem Texte des Plinius erwachsen. Er lässt
den „Maler" Apollodor sagen: artem ipsis ablatam, das heisst doch
dem Demophilus von Himera und Neseas von Thasos, die vorher-
gehen, und da das ganz unmöglich ist, hat man aus dem ipsis ein
ipsi conjicirt und den Meister für sein verwegenes uaiuficreTcn Tiq
uäMov f| uiurjtfeTai gründlich Busse thun lassen. Dabei hat man
aber übersehen, dass dann Zeuxis sein Schüler gewesen und auch
als solcher bezeugt sein müsste, denn die Phrase ist ja nichts als
eine poetische Lehrerangabe. Ferner konnte Babrios das weitver-
breitete chronologische Handbuch sehr gut kennen, während die
Annahme Schneidewins bei ihm eine ganz unmögliche Gelehrsam-
keit voraussetzt. Mit dieser Erkenntniss ist nicht nur ein neues
Fragment des Chronographen gewonnen, sondern es entfällt auch
die Notwendigkeit, Zeuxis mit Apollodor in persönlichen Zusam-
menhang zu bringen. Dass nichtsdestoweniger ein solcher vor-
handen gewesen sein könnte, vermag ich natürlich nicht in Abrede
zu stellen.

Nach dieser seiner Meisterleistung fährt Plinius fort: opes
quoque tantas adquisivit, ut in ostentationem earurn Olympiae aureis
litteris in palliorum tesseris intextum nomen suum ostentaret. Dann
verschenkt er seine unbezahlbaren Bilder, wie die angeführten Bei-
spiele lehren, jedoch nur an Leute, die in der Lage waren, solche
zarte Aufmerksamkeiten gebührend zu erwiedern. Brunn übersetzt
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