Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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figlina opera werden einfach Bilder auf Thonplatten gewesen sein,
die man in den Wänden zurüekliess. Der Sieger liess sie vielleicht
nur darum nicht herausbrechen, weil er in der Fülle der beweg-
licheren Schätze ihren Werth kaum ahnte. Wer aber diese Technik
für Zeuxis anstössig finden sollte, der möge daran erinnert sein,
dass die Alten ihn noch zu den Tetrachromenmalern gerechnet haben.

Der Gegensatz zwischen Zeuxis und Parrhasios, der sich in
den einander zugeschleuderten Epigrammen so energisch Luft macht,
beruht zunächst in der Stellung der beiden Kämpen als Häupter
zweier rivalisirender Schulen. Er scheint aber auch in einer grund-
sätzlich verschiedenen Kunstrichtung zu wurzeln. Parrhasios ist der
Angreifer. Er verkündet laut, dass er die Grenzen der Kunst er-
reicht habe, er will da sein Siegeszeichen aufstellen und opfert
bereits dem Momos. Nun bricht Zeuxis los und wirft ihm die
Herausforderung zu. Es wird uns heute wohl kaum mehr ver-
ständlich sein, wie man diese Epigramme, die doch nur aus ihrer
Zeit heraus erklärlich sind, einst für Trümmer von Nikomachos'
Maler-Elegie halten konnte. Der Erfinder der Trauben- und Vorhang-
Anekdote (Duris) hat Parrhasios als Sieger aus diesem Kampfe her-
vorgehen lassen und auch Quintilian neigt sich auf dessen Seite. Als
ein entgegenstehendes Zeugniss kann man den Ausspruch des Aristo-
demos bei Xenophon (Mem. I, 43), der Zeuxis für den Ersten der
Maler erklärt, geltend machen, doch wiegt diesen wie die übrigen
günstigen Erwähnungen des Zeuxis im Kreise des Sokrates das
Gespräch des letzteren mit Parrhasios voll auf. Von allen Zeugnissen,
die uns über diesen Meister zu Gebote stehen, verdienen seine eigenen
Angaben in erster Linie Berücksichtigung. Sie sind uns in zwei-
facher Eorm erhalten, denn die Epigramme, die uns Athenaios mit-
theilt, sind bei Plinius in die Darstellung verwoben. Die plinia-
nische Expectoration hat aber für uns darum noch einen selbststän-
digen Werth, weil sie ein uns sonst unbekanntes, ihm ganz beson-
ders anstössiges Epigrammbruehstück bewahrt hat, seine Angabe:
super omnia (usurpavit) Apollinis se radice ortum. Es ist recht lustig,
neben den alten auch die modernen Entrüstungsausbrüche über diese
Vermessenheit zu lesen, die bei Licht besehen nichts ist als eine
simple Stammesangabe. Wenn sich der Meister zunächst selbst vor-
stellt als äßpobiaiToc; dvrip k. t. X., dann seine berühmte Heimat
Ephesos nennt, ferner Euenor als seinen Vater kräftig hervorhebt,
darf er denn schliesslich nicht bekennen, dass er ein Ionier aus
Ions Stamme ist, der bekanntlich ein wenig legitimer aber immer-
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