Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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hin ein Sohn des Apollo gewesen sein soll? Und wahrlich einen
typischeren lonier als unseren Parrhasios wird man schwer auf-
treiben können. Ionisch ist seine Freude an Prunk und Pracht,
seine Offenherzigkeit, sein Selbstgefühl, sein Uebermuth, seine
Lustigkeit, seine poetische Gabe und seine künstlerische Genialität.

Bezüglich seines merkwürdigen Selbstbekenntnisses, das er in
dem oft gebrauchten Vers: dßpobi'cuxoc; dvf|p dpexr|V xe ffeßwv TÖb
e'Ypotijja niedergelegt hat, weist Klearchos im dritten Buche seiner
Schrift TTepi ßiiuv47) auf einen ähnlichen Ausspruch der Sappho hin,
der unserem Meister wohl zum Vorbild diente:

'Eyuj öe qnXnu3 dßpoffüvav Kai uoi xö Xauxrpöv
e'poc; deXiui Kai xö xaXöv XeXoYXe
und citirt zugleich den guten Spass eines Zeitgenossen, der paßbo-
bicaxoc; für passender hielt. Im Uebrigen findet er sein Gebahren
zwar anstössig, beruhigt sich aber schliesslich mit dem Hinweis auf
seine Verehrung der Arete. Noch einmal bietet uns Athenaios (XII
p. 543 C) einen Auszug derselben Stelle des Klearchos. Diesmal
erwähnt er auch seines Purpurmantels und des goldenen Kranzes,
und fügt aus anderer Quelle, wie man bemerkt hat48), eine zweite
ausführlichere Schilderung seines Wesens hinzu, wobei die Tracht
unseres Meisters eine wesentliche Bereicherung erfährt. Der goldene
Kranz wird hier zur weissen Binde, seinen Stab umwinden goldene
Ranken und auch seine Schuhschnallen sind von Gold. In dieser
zweiten Quelle glaubt Robert „nach dem ganzen bisherigen Gang der
Untersuchung" Antigonos erkennen zu müssen, der aber selber den
Klearchos benutzt haben soll, so dass dieser letztere von Athenaios
zunächst direct, dann aber wiederum aus zweiter Hand verwerthet
wird. Athenaios nennt aber diese zweite Quelle ausdrücklich mit
den Worten uüc; iffxopel 0eöcppa0xoq ev xüj ixepi eübcuuoviac;, denn
bloss auf das Singen beim Arbeiten wird man doch dieses Citat
nicht beschränken können. Das wäre wohl ebenso falsch, als wenn
man das Klearchoscitat dieser Stelle nur auf den demselben vorauf-
gehenden Satz beziehen wollte. Theophrast und Klearchos gehören
derselben Zeit, wie der gleichen Richtung an, und in der genannten
Schrift hat die Behandlung der xpucpr) des Parrhasios sicherlich
nichts Auffälliges. Aber auch die Verehrung der Arete ist für ihn

"") Athenaios XV p. 687 A.

4S) Kobert, Aich. Märchen S. 80, vergl. auch Müller, Fragm. Rist. Gr, II

p. 304.
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