Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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charakteristisch, kaum minder als es für Apelles die Verehrung
der Charis ist. Er hat sie auch gemalt und zwar neben Dionysos
stehend, ich denke, er konnte seinen Vers nicht deutlicher illustriren49).
Welche Schutzpatronin ziemte übrigens dem Heroenmaler besser?
— Zu jenem Theil seiner Verse, wo er seiner Heimat und seines
Vaters gedenkt, genügen ein paar Worte. Wenn späte Autoren
den Parrhasios zum Athener machen, so verleiht man jetzt glück-
licherweise auf solche Aussprüche hin keine Bürgerrechtsdiplome
mehr. Seinen Vater nennt Plinius zugleich seinen Lehrer. Das that
auch Juba im 8. Buche seiner Schrift über die Maler, in welchem
er nach Harpokrations Zeugniss unseren Meister umständlich be-
handelt hat. Vermuthlich dankt ihm Plinius nicht bloss diese Kleinig-
keit. Der übrigen Verse, sowohl derjenigen, in denen Parrhasios
seine Ansprüche auf den höchsten Ruhm geltend macht, wie der
Unterschrift seines lindischen Heraklesbildes werden wir noch zu
gedenken haben, für jetzt bleibt noch die Frage zu erledigen, wie
er in das Autorenverzeichniss des 35. Buches des Plinius kam.
Brunn versucht diese Erwähnung auf die „graphidis vestigia in
tdbulis ac membranis eius" (Plinius 35, 68) zu beziehen, da eine
Schrift unseres Meisters nirgends erwähnt werde. Indessen das
waren Handzeichnungen, und es ist nicht abzusehen, wie sie in
den Index kommen konnten. Die Sache ist weit einfacher; Plinius
hat sich die Uebersetzung der Verse in die lateinische Prosa so
hoch angerechnet. Von denen des Zeuxis hat er keine Notiz ge-
nommen, sonst würden auch an dieser Stelle die beiden Gegner
friedlich nebeneinander stehen.

Ein Vers ist aber der Aufmerksamkeit des Plinius doch ent-
gangen, die Künstlerinschrift eines herakleotischen Skyphos mit der
Darstellung der Iliupersis

rpduua nctppaoioio, Texva Muoi;, euui öe ektuv
'Wiov ameiväc; Stv e\ov Aicodbou.50)
Sie zeigt unsern Meister mit dem berühmten Toreuten in einer Ver-
bindung, in der wir die alten Vasenmaler und Töpfer zu sehen
gewohnt sind, denn der Vers ist eine poetische Umschreibung des

") Der Philiskos, der von modernen Exegeten in dieses Bild mit hinein-
genommen worden ist, hat damit nichts zu thun, das ist jetzt wohl selbstver-
ständlich.

50) Athen. XI p. 782 B, vergl. die Lesearten Jahn - Michaelis, Paus, des-
criptio arcis Athen, p. 33.
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