Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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aber nur mit den paar sachgemässen Worten: examinasse subtilius
Uneas traditur, ohne Hinzufügung irgend eines Tadels.

Die Erwähnung des Antigonos und Xenokrates an dieser Stelle
galt und gilt als einer der wichtigsten Stützpunkte für die Quellen-
analyse des Plinius. Von hier aus hat Brieger die varronischen
Kunsturtheile auf Xenokrates zurückgeführt, und sie sind uns erst
dadurch verständlich geworden, aber auch Roberts öfters genannte
Untersuchung nimmt von hier ihren Ausgang. Diese Doppelerwäh-
nung hat man ziemlich allgemein so verstanden, dass der ältere
Schriftsteller Xenokrates von dem jüngeren Antigonos citirt wurde55),
und das hat alle Wahrscheinlichkeit für sich. Auch glaube ich
gerne, dass Antigonos dieses Citat in seinem Buche über die Malerei
gelegentlich der Behandlung des Parrhasios anbrachte, aber gerade
weil das Buch „nicht bloss eine Geschichte der Malerei, sondern
auch eine Statistik der Gemälde und sogar eine sehr vollständige"
war56), nimmt sich diese Berufung auf Xenokrates einigermassen
befremdlich aus. Gerade für diesen Punkt wird die vorhergegan-
gene Auseinandersetzung hoffentlich nicht vergeblich sein. Habe
ich mit der Behauptung Recht, dass das Lob der Zeichnung des
Parrhasios nur in losem Zusammenhange mit seinen Bildern, im
innigsten aber mit seinen Zeichnungen für toreutische Arbeiten
steht, dann war es Xenokrates, der jene memhrana gewürdigt hatte,
die gewiss einer späteren Zeit nicht leicht zugänglich waren. Nach
der Natur dieser Zeichnungen kann er das sehr gut auch in seiner
Schrift de toreutice gethan haben57).

65j Vergl. L. Urlichs a. a. 0. S. 30.

SG) Wilamowitz, Antigonos von Karystos S. 8.

5") Diese Stelle ist die einzige, die Xenokrates als Schriftsteller über Malerei
erwähnt, in dem Index zum 35. Buche hat Plinius bekanntlich weder Antigonos
noch Xenokrates Schrift, sondern Parrhasios selber eingestellt, während er sie beide
als Gewährsmänner im Index zum 34. Buche und als Schriftsteller über Toreutik
nennt. Ist aber diese Schrift de pictura nur aus dem Citat bei Antigonos er-
schlossen, dann steht es mit ihr nicht zum Besten. Jedesfalls kann sie nicht mehr
dazu herhalten, in der Stelle bei Diogenes Laertios VII, 188 Hypsikrates durch
Xenokrates zu verdrängen. Dort wird von einem Angriff auf Chrysippos berichtet.
Ein obscönes Gemälde, dem er einen tieferen Sinn unterlegt, sei seine eigene Er-
findung : xafjTn,v dvaTrXdxTei iaxopiav — ou&e Trapä toT<; nepi irivdKUUv fpa\yao\
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•jrap' 'AvTVfövuj elvai, üir' otiiTOÜ 5e ireu\do"8cu. Die Aenderung ist von Ii. Köpke
De Anligono Carystio p. 25 vorgeschlagen und von Wilamowitz auf das Entschie-
denste vertheidigt worden. Gegen sie spricht ausser der technischen Schwierigkeit

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