Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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bar vor dem Betreten des insurgirten Gebietes dem Unternehmen
den Beistand des höchsten Gottes sichern. Um endlich noch die
Zeit des Durchmarsches der Truppen des Severus durch Poetovio
genauer festzustellen, so fällt dieselbe etwa mit dem Ende des
Jahres 196 zusammen, indem nach Stobbe's wahrscheinlicher
Ausführung (Philologus 32 S. 51), welcher sich neuerdings auch
A. Wirth in der Bonner Dissertation quaestiones Severianae (Leipzig
1888) S. 29 angeschlossen hat, der Aufenthalt in Viminacium in
den Spätherbst 196 fällt und andererseits die Entscheidungsschlacht
gegen Albinus bereits am 19. Februar 197 statthatte. Wenn ferner,
wie wohl kaum zu bezweifeln steht, die von Dio 75, 4 aus eigener
Erinnerung geschilderte schwankende Haltung des Senats und
gleichzeitige Bewegung unter der unzufriedenen hauptstädtischen
Bevölkerung das persönliche Eintreffen des Severus in Rom ver-
anlassten, so ist die Abreise des Kaisers von Poetovio und die
damit zusammenhängende Errichtung der Ära wohl um die Zeit
der Saturnalien (17. December) des Jahres 196 anzusetzen, da
damals bei den letzten circenses vor den Saturnalien (xeXeuToua irpö
tüjv Kpovhnv unrobpoui'a) die Unruhen zum Ausbruche kamen.

Interessant ist die vorliegende Inschrift, wenn unsere Auf-
stellung richtig ist, durch die in ihr enthaltenen neuen Aufschlüsse
über die Carriere des C. Fulvius Plautianus. Während man bisher
ungeachtet des Mangels jedes Zeugnisses ziemlich allgemein an-
nahm, dass Plautianus bereits seit dem Regierungsantritte des
Severus die Würde eines praefeclus praetorio bekleidet habe, was
sich erst für das Jahr 200 aus unseren Quellen feststellen lässt
(Dio ep. 75, 14, vergl. vita Getae c. 4), wird durch unser Denk-
mal der Beweis erbracht, dass er noch im Jahre 196 die niedrigere
Stellung eines tribunus coh(ortis) X praet(oriae) (Z. 3. 4) einnahm,
obgleich er schon seit der Thronbesteigung des Severus, seines
Landsmannes und Jugendfreundes (Herodian 3, 10, 6), von dem-
selben zu wichtigen Missionen verwendet ward (vita Severi 6, 10;
vita Nigri 5, 2) und, wie unsere Inschrift hinlänglich zeigt, seine
Gunst und sein Vertrauen in hohem Masse besass. Bei diesem
Sachverhalte also führte vor der Erhebung Plautians zum praefectus
praetorio dieses Amt unter Severus Flavius Iuvenalis (Hirschfeld
R. V. G. S. 230 n. 57) (seit 193) wahrscheinlich in Gemeinschaft
mit Aemilius Saturninus (1. c. n. 59), welchen dann Severus, ähn-
lich wie es schon unter Julianus geschehen war, zwischen 195 und
200, den Plautianus als dritten und einflussreichsten Collegen bei-

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