Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 147
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An der äussersten Grenze der ganzen Anlage, wo sie ab-
geschlossen erscheint, zieht sich ein Plattenpflaster und eine Stein-
rinne hin, in welche eine zweite Rinne, zweimal durch Mauern
führend, einmündet. Die letztere steht sichtlich in Beziehung zu
den hier aufgedeckten Mauerzügen, welche sich durch ihre un-
gewöhnlichen Dimensionen als nicht unmittelbar zu dem früheren
Baue gehörige kennzeichnen. Die äusserste Doppelmauer, die wir
nur ein kurzes Stück lang bloslegen konnten, setzt sich, wie Son-
dirungen ergaben, noch nach beiden Seiten in den Nachbarfeldern
fort. Die Mauern, welche damit in Verbindung stehen, sind wie
die früher genannten von solcher Stärke, dass sie einem besonderen
Zwecke gedient haben müssen. Man ist geneigt, hier an eine
Befestigungsanlage zu denken, an einen Theil der äusseren Um-
mauerung Carnuntums zum Schutze der vielfachen Anlagen, welche
ausserhalb des Lagers entstanden.

Im Jahre 1888 wurden, einem Beschlüsse des Ausschusses
des Vereines Carnuntum entsprechend, die Grabungen im Lager
begonnen, um die möglichst vollständige Aufdeckung desselben
allmählich zu erreichen. Die Arbeit setzte an der östlichen Grenze
des Lagers südlich und zunächst der heutigen das Lager durch-
schneidenden Landstrasse ein. Wie bekannt, erhebt sich das
Castrum in seiner wesentlichsten Grundform als grosses recht-
eckiges Plateau über die zunächst liegenden Felder, so dass ziem-
lich steil abfallende Böschungen den Umriss des Lagers markiren.
Bei der diesjährigen Grabung gingen wir nun an der oben be-
zeichneten Stelle bis an die Grenzen des Plateaus, das sich hier
in der Höhe von 5 Meter erhebt. Aus der Taf. VI ist zu ersehen,
dass an dieser Stelle die Böschung eine auffallend unregelmässige,
der Langachse des Lagers nicht parallel laufende Richtung ein-
schlägt, und dass die Anlage der Baulichkeiten in einer unleug-
baren Beziehung zur Terrainfiguration steht. Zur Erläuterung des
vorliegenden Planes muss noch gesagt werden, dass die Lang-
mauern der Anlage der Richtung von Süd nach Nord, also der
Längenrichtung des Lagers folgen, und dass der von den übrigen
Baucomplexen getrennt liegende kleine rechteckige Bau mit starken
Mauern am nördlichsten Ende unserer Grabung gelegen ist. Dieser
zuletzt genannte Bau, den man als das Fundament eines Thurmes
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