Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 148
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anzusehen hat, verdient ganz besondere Beachtung. Was wir heute
von demselben erhalten sehen, ist allerdings nur das Fundament,
das als ungemein hartes Gusswerk der Zerstörung entging; es ist
aber das Fundament eines Thurmes, der aller Wahrscheinlichkeit
nach ein Thor des Lagers flankirte. Für diese hier ausgesprochene
Vermuthung sprechen mehrere Umstände. Für's Erste ist es die
Form des Bauwerkes, mit dem an der Südseite desselben sich an-
schliessenden Mauerstücke, das als ein Ansatz der Umfassungs-
mauer des Lagers anzusehen ist und an der Nordseite — der Thor-
seite — fehlt; für's Zweite ist aber die Strasse, welche das Lager
durchquerte und zu diesem Thore hinausführte, gleichfalls noch
erhalten und Hess sich in diesem Frühjahre als licht gefärbter
Streifen durch die jungen Saaten der Nachbaräcker sich hinziehend
deutlich verfolgen. Die heutige Landstrasse führt an dem Thurme
vorbei, geht aber dann, etwas südlicher gelegen, mit der römischen
Strasse nahezu parallel- gegen Deutsch-Altenburg fort. Das Fun-
dament des mit unserem Thurme correspondirenden zweiten, nörd-
licher gelegenen Thorthurmes ist bis nun nicht zu finden gewesen
und dürfte auch entweder von der neuen Strasse bedeckt oder
beim Baue derselben ganz verschwunden sein. Südlich von unserem
Thorthurme, in der Richtung des Maueransatzes, liegt ein grosses
Stück Mauerwerk, ein Mauerblock aus Bruchsteinen im schiefen
Winkel aus , der Erde emporragend, der, sichtlich abgestürzt, in
dieser merkwürdigen Lage sich erhält und wohl einst zur Um-
fassungsmauer des Lagers gehörte. Die genannten Baureste liegen
aber, wie aus Taf. VI und dem Durchschnitte E F Taf. VII ersicht-
lich wird, bedeutend tiefer als die übrigen Theile der in Rede
stehenden Grabung, und es muss sich schon bei flüchtiger Ein-
sichtnahme in den Plan die Meinung geltend machen, dass man es
hier nicht mit gleichzeitigen Anlagen zu thun habe.

Die Grabung auf der Höhe, im Niveau des Lagers, führte
zur Aufdeckung einer grossen Zahl Mauerzüge, die durchwegs nur
als Fundamentreste erhalten, sichtlich verschiedenen und ver-
schiedenzeitlichen Gebäuden angehörten. Ein Theil dieser Mauer-
züge zeigt die nachlässige, aus Steinbrockenwerk mit schlechtem
Mörtel verbundene Construction, wie sie im Lager zur Regel gehört,
andere Mauern dagegen sind von hier ungewöhnlich guter Con-
struction schichtenweise aus grösseren Bruchsteinen und festem
Mörtel gebildet. Die letzteren Mauern sind auch stärker und gehören,
wie man aus dem Grundrisse Taf. VI sieht, zu einem rechteckigen
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