Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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ein überwölbter unterirdischer Kanal von 07 M. lichter Weite und
1*7 M. Höhe in gerader Linie nach der Donau zu. Ein ähnlicher
Kanal wurde schon bei der Grabung des Jahres 1877 in der west-
lichen Hälfte des Lagers aufgedeckt, er nahm bei gleichen Dimen-
sionen dieselbe Richtung nach der Donauseite, wie der eben er-
wähnte. Die weiteren bei der diesjährigen Grabung aufgedeckten
und in Taf. VI verzeichneten Wasserläufe oder Gerinne kehren
sich sämmtlich nach dem grösseren Abzugskanale. Besondere Er-
wähnung verdient noch die Reihe von vier kleineren Räumen,
welche sich westlich des grossen Fundamentes und jenseits des
Abzugskanales hinziehen und einem noch nicht völlig aufgedeckten
abgeschlossenen Gebäude angehören. In einem dieser Räume wurde
ein doppeltkegelförmiger Mühlstein gefunden. Das Vorkommen
desselben gerade an dieser Stelle, zunächst dem grossen Vorraths-
magazine, darf wenigstens nicht unvermerkt bleiben.

Zu den erfreulichsten Erfolgen der diesjährigen Ausgrabung
gehört die Auffindung und theilweise Bloslegung eines Amphi-
theaters in Carnuntum. Seitdem mir die Aufgabe zufiel, den
altberühmten Boden von Carnuntum auf seine namentlich topo-
graphische und bauliche Ausnützung durch die Römer zu unter-
suchen und zu erforschen, schwebte mir immer der Gedanke vor
Augen, dass eine Localität von solcher Bedeutung auch sicherlich
ein grösseres Gebäude in der Art eines Circus oder Amphitheaters
nicht entbehrt haben könne. Gewiss haben auch andere mit mir
den gleichen Gedanken verfolgt, der aber aus dem Grunde zu
keinem Resultate führte, dass einerseits sich stets die Meinung
geltend machte, die nicht eminent der Vertheidigung dienenden
Bauten müssten im Municipium, das stets in Petronell gesucht
wurde, liegen, andererseits gerade die nächste Umgebung des
Lagers für die Erbauung eines Amphitheaters aus Rücksicht der
Vertheidigung als selbstverständlich ausgeschlossen erschien. Die
Aufdeckung des gesuchten Gebäudes hat nun beide Voraussetzungen
als vollständig unrichtig erwiesen.

Zur Auffindung des Amphitheaters führte mich die Grabung
zunächst dem früher erwähnten Thorthurme. Das Terrain senkt
sich von dort aus gegen Altenburg beträchtlich ab, und ist
zwischen der heutigen Landstrasse und der Donau durchwegs als

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