Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 152
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Ackerboden bebaut. In diesem Frühjahre nun konnte man die
römische Strasse, welche vom Thorthurme hinausführte, als lichter
gefärbten Streifen durch die junge Saat sich hinziehen sehen, links
der Strasse waren aber gleicherzeit eine Anzahl Streifen durch die
Felder gehend zu erkennen, die ihrer Formation nach auf das
Vorhandensein des Amphitheaters schliessen liessen. Eine mulden-
förmige Terrainbildung an derselben Stelle bestärkte mich ausser-
dem noch in der Annahme, dass das Gesuchte hier zu finden sei,
und so Hess ich nach Beendigung der Ernte einen Sondirgraben
ziehen, der auch nach wenigen Tagen die ersten sicheren Reste
des Gebäudes bioslegte. In dem Plane Taf. VIII ist der zuerst ge-
zogene Sondirgraben, der in gerader Linie in die Arena führte,
eingezeichnet. Dass derselbe nicht parallel mit einer Achse der
Ellipse ging, ist theils den nur spärlichen Vorstellungen, die man
sich vorerst über Richtung und Grösse des Gebäudes, von dem
kein Stein über den Ackerboden reichte, machen konnte, theils
der Richtung der Ackerparcelle, die bei der Sondirung in Anspruch
genommen werden konnte, zuzuschreiben. Die Stelle des Amphi-
theaters ist nämlich Eigenthum von fünfzehn verschiedenen Be-
sitzern, mit welchen erst, nach erfolgter Sondirung vom Verein
Carnuntum, unter gefälliger Intervention des Herrn C. Hollitzer,
ein Abkommen getroffen werden konnte.

Wie allerwärts auf den Feldern Altenburgs und Petronells
stiessen die Bebauer derselben auch hier mit dem Pfluge stets auf
Mauerwerk, ja die Grabung hat ergeben, dass das Mauerwerk zum
Theil nicht tiefer als 20 bis 30 Centimeter unter der Oberfläche
lag. Es dürfte anzunehmen sein, dass die muldenförmige Bildung
des Terrains gegen die Arena die Aufschüttung über den Um-
fassungsmauern durch den Einfluss von Wind und Regen immer
mehr nach der Mitte abführte und solcher Art zur endlichen Auf-
findung des Gebäudes verhalf. In Altenburg selbst war, wie mir
der Bürgermeister, Herr Koch, mittheilte, die Meinung verbreitet,
dass hier seinerzeit ein Ziegelofen stand und man es mit einer
aufgelassenen Lehmgrube zu thun habe.

Auf den Tafeln VIII und IX habe ich die Resultate der Auf-
deckungen im Amphitheater, so weit dieselben in diesem Jahre
erzielt werden konnten, dargestellt. Unsere Arbeit musste sich
vorerst darauf beschränken, die Mauern zu verfolgen und die
Gesammtausdehnung des Bauwerkes kennen zu lernen. Wenn dies
für den grössten Theil des Objectes erreicht wurde, bleibt uns
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