Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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aber eine mindestens ebenso grosse Arbeit noch zu thun übrig,
um alle Mauern, namentlich aber auch die Arena, völlig freizulegen.
Es kann daher die hier zu gebende Besprechung des Amphitheaters
nur als ein vorläufiger Bericht angesehen werden, der nach voller
Aufdeckung des Bauwerkes und seiner Umgebung eine ent-
sprechende Ergänzung erfahren muss. Wie erwähnt, lag unser
ganzer Baurest unter der Erde. Die tiefe Lage des Amphitheaters
im Vergleiche zu dem westlich davon liegenden Lager hat die
Verschüttung desselben zum Theile auch von dorther, namentlich
bei dem fast stets herrschenden heftigen Westwinde gefördert, und
so sehen wir, dass die Arena, die um 14 Meter tiefer liegt als der
forumartige Platz des Lagers, eine Aufschüttung von über 21/„ Meter
zeigt, der Fuss der Umfassungsmauer aber bis zu 3 und 4 Meter
tief unter dem Ackerniveau liegt.

Für die Feststellung der Form unseres Bauwerkes bietet vor-
erst die in ihrer ganzen Längenausdehnung erhaltene Begrenzungs-
mauer der Arena selbst den sichersten Anhalt. Der durch diese
Mauer begrenzte Kampfplatz ist von elliptischer Form und es
misst die grosse Achse 72'2, die kleine 44-25 Meter. Als Resultat
der genauen Aufnahme der Begrenzungslinie der Arena hat sich
ergeben, dass bei der Anlage der Umfassungsmauer nicht mit
voller Präcision vorgegangen wurde, sondern manche Unregel-
mässigkeiten sich geltend machten, die allerdings bei den grossen
Dimensionen des Objectes nicht schwer ins Gewicht fallen. So
geht die grosse Achse der Ellipse nicht genau durch die Mitte
der kleinen, sondern schneidet sie um einen halben Meter süd-
licher; auch steht die kleine Achse nicht genau senkrecht auf der
grossen. Die Umfassungslinie selbst, die wir der gebräuchlichen
Bezeichnung zu Liebe als elliptisch angaben, ist eigentlich mathe-
matisch richtiger als doppelte Korblinie anzusehen, d. h. sie wurde
aus vier Kreissegmenten mit den Radien von 18-4 und 602 Meter
construirt. Die Umfassungsmauer ist 15 Meter dick, aus Bruch-
steinen gebildet, gegen die Arena aber mit regelmässig behauenen
und geschichteten Quadern bekleidet, von welchen häufig tiefer
geführte Binder in die Mauer weiter eingreifen. Die Mauer erhebt
sich noch bis zu 2l/2 Meter Höhe, ist unten mit einem Sockel,
der als einfache Schräge gebildet ist, versehen, entbehrt jedoch,
im Zustande der gegenwärtigen Erhaltung, des abschliessenden
Deckgesimses oder der abschliessenden Quaderschichte. Die
Quadern sind gegen die Arena, auf einer dünnen Mörtelunterlage,
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