Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

Seite: 155
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in den Achsen des Amphitheaters erhalten blieben und die Cavea
in diesen Richtungen durchschneiden. In der Richtung der Lang-
achse lagen die Eingänge zur Arena. Von diesen ist der östliche
vollständig freigelegt, der westliche bisher nur zum Theil von der
Verschüttung befreit worden. Der erstere zeigt sich nach aussen
durch die Anlage von vier starken Quaderpfeilern besonders aus-
gezeichnet. Diese Pfeiler sind heute noch in einer Höhe von 2-8 M.
erhalten und von solider, sorgfältiger Arbeit. Sie bilden drei Ein-
gänge, von welchen der mittlere die äusseren 1 und I II M.
breit sind. Zwei noch in gleicher Höhe mit den Pfeilern erhaltene
Mauern verbinden den ersten und vierten Pfeiler mit der Um-
fassungsmauer der Arena, solcher Art einen Eingangsraum bildend,
dessen Breite von 8 3 zu 7'12 M. verläuft. Dieser Raum wird von
der Arena herein durch zwei Mauerstücke, die aber nur in der
Länge von 4-55 M. erhalten sind und auch keine weitere Fort-
setzung erkennen lassen, in drei Theile getheilt. Obwohl diese
Mauerzüge ihre Richtung auf die freistehenden Pfeiler des Ein-
ganges nehmen, scheint doch ursprünglich der Raum unmittelbar
hinter den Eingangspfeilern in seiner ganzen Breite ungetheilt ge-
wesen zu sein. In der Mauer, links vom Eingange, befindet sich
eine Nische, der aber, nachdem sie wieder zum Theile zugemauert
war, eine Ära mit Inschrift1) vorgestellt wurde. Dass wir es hier
mit dem Eingange in die Arena zu thun haben, der vielleicht ein
Gegenstück in der gegenüberliegenden Anlage fand, ist zweifellos.
Die Disposition ist ja auch eine vollständig klare und verständliche,
wenn auch die Frage, ob der Raum vollständig oder vielleicht nur
in dem Theile zunächst der Arena gedeckt oder überwölbt war,
vorläufig unbeantwortet bleiben muss.

Die Aufdeckung hat aber in diesem Eingange noch auf
weitere Reste baulicher Anordnung geführt, die, ob zwar sichtlich
nicht gleichzeitig mit dem Uebrigen ausgeführt, einem ganz be-
stimmten Zwecke entsprochen haben müssen. An der rechten Seite
des Eintretenden zieht sich eine Reihe lose liegender, nicht zu
einer festgefügten Mauer verbundener Steine hin, zwischen welchen
in Abständen von circa zwei Meter rauh bearbeitete pfeilerartige
Steine von circa zwei Meter Höhe sich erheben. Durch diese
Steine sind ebenfalls in sorgloser Ausführung rechteckige Löcher
geführt, und zwar sowohl in der Richtung des Einganges, wie

') Siehe weiter unten S. 167.
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