Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 12.1888

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wogegen dieselben Achsen gemessen für Pola 137"8 : 112-6, für
Verona 153'18 : 122'89 M. resultirt. Die geringere Ausdehnung des
Gebäudes im Vergleiche zu anderen, und trotz der grossen Arena,
hängt mit der ungewöhnlichen Schmalheit unserer Cavea zusammen.
Die letztere misst 12-73, beziehungsweise 15'5 M., während jene
von Pola 34 M., die von Verona 39 M. hat. Vergleichsweise sei
noch erwähnt, dass die Cavea des Colosseums in Rom 51 M., die
des Amphitheaters in Aquincum bei bedeutend kleinerer Arena als
unsere 16 M. Breite misst. Die Dimensionen, respective der Um-
fang der Arena im Vereine mit der Breite der Cavea bestimmen
das Fassungsvermögen des Zuschauerraumes. Diese beiden Factoren
in Rechnung gebracht und ausserdem Sitzstufen von 0"65 M. Tiefe
(Sitz- und Fussplatz der nachfolgenden Reihe zusammengerechnet)
und 0'45 M. für jede Sitzbreite angenommen, ergibt sich nach
Abschlag der anzunehmenden Praecinctionen und in die Sitzstufen
eingeschalteten Stiegen ein Fassungsvermögen der Cavea des
Amphitheaters in Carnuntum von rund 8000 Personen.

Aus der Breite der Cavea können wir aber auch mit einiger
Sicherheit einen Schluss auf die Höhe derselben, wenigstens auf
die Erhebung derselben in Beziehung zum Niveau der Arena ziehen.
Nehmen wir nämlich auch hier, wie bei den meisten Amphitheatern,
ein Ansteigen der Sitzreihen unter einem Neigungswinkel von 30"
zur Horizontalen an, so liegt die letzte Sitzreihe circa 13 Meter
über der Arena. Die geringere Breite der Cavea muss auch, im
Gegensatze zu verwandten Baulichkeiten, eine geringere Höhe der-
selben zur Folge gehabt haben. Wenn wir bei diesem Anlasse die
Höhen- oder Niveauunterschiede von Lager und Amphitheater
einander gegenüberstellen, kommen wir zu dem interessanten Re-
sultate, dass, nachdem das Lager um 14 Meter höher liegt als die
Arena, der Ausblick über das Amphitheater.von daher, namentlich
aber von den Mauern und Thürmen des Lagers aus nicht ge-
hindert war.

Die Aufdeckung des Amphitheaters in Carnuntum darf gewiss
als eine erfreuliche Leistung der Bemühungen und Bestrebungen
des Vereines angesehen werden und macht den berechtigten Wunsch
rege, dass das einmal Begonnene auch zu Ende geführt werde.
Noch ist eine ebenso grosse Arbeit als bisher durchzuführen, da
die ganze Arena und die Umgebung der Cavea von der Auf-
schüttung zu entblössen ist; ja es muss sich an den Wunsch der
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