Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Sculpturen von Dalmatien

Üiin kurzer Aufenthalt in Spalato (September 1887, im Auf-
trage des Wiener archaeologischen Seminars) setzt mich in die
Lage, eine kleine Nachlese zu den von Robert von Schneider
Arch.-epigr. Mitth. IX, 58 ff. verzeichneten Antiken Spalatos und
Salonas zu geben.

Spalato

I. Altstadt: Schon Arch.-epigr. Mitth. I p. 95 erwähnt,
der mit besonderer Sorgfalt gearbeitete Kopf einer Sphinx, ober-
halb der Hausthüre der casa Gottovaz. Das durch die vollen
Wangen etwas breite Antlitz macht mit seinen frei modellierten
Augen; der proportionierten Nase und den ziemlich weichen Lippen,
unter denen das Kinn kräftig markiert ist; besonders in der Vor-
deransicht einen anmuthigen Eindruck. Als Kopfschmuck dient
der nach hinten sich verbreiternde „Klaft" mit dem Uraeus, dem
Symbol der Königswürde, an der Stirnseite. — Bode hat diesen
Kopf als zu der im Museum aufbewahrten Kalksteinsphinx Ame-
nophis III. gehörig angesehen. - Indes sorgfältige Messungen, wobei
ich auch die Proportionen der anderen Sphinx Spalatos zum Ver-
gleiche heranziehen konnte, haben mir den Kopf als für jenen
Torso um mindestens ein Fünftel zu klein erscheinen lassen;
dazu kommt, dass am Kinn keineswegs ein Ansatz für den Bart
zu bemerken ist, dessen Spitze am Torso zwischen den zwei auf
die Brust herabfallenden Lätzen der Kopfhaube noch erhalten ist
(s. die Abbildung des Sphinxtorso bei R. Adam, Ruins of the
palace of Diocletian pl. LX). — Die Höhe des Kopfes sammt
dem anschließenden Stück des Halses beträgt 0*80 m, die Breite
an der Stelle der größten Ausbreitung des Klaft 0*25, die Breite
des Halses 015; Gesichtslänge O20, Stirnbreite 0*15.

Im Hofe der casa Geremia ein Marmorfragment von einer
Sarkophagplatte mit einer Kampfesdarstellung, in sehr hohem
Relief gearbeitet. Der Gegenstand ist aus dem Fragmente kaum

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XIII 1
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