Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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sogenannte KäpvuH5) (ein lituus, dessen Schalltrichter in die Form
eines Vogelkopfes gebracht ist) hervorragt.

Der Panzer, welcher den Hauptbestandteil des Tropaeums
ausmacht, ist ein Erzpanzer, ohne besondere Schulterstücke, mit
großer Feinheit nach den Körperformen modelliert, in den den
Brustmuskeln entsprechenden Erhebungen mit Delphinen geziert,
nach unten nicht gerade abgeschnitten, sondern mit wellenförmiger
Randlinie so nach unten ausgeschweift, dass der Leib in der
Mitte noch über den Nabel hinab gedeckt sein musste. Unterhalb
dieses bogenförmigen Abschlusses, sowie an den Achseldecken
setzt sich der Panzer noch in zwei einander zum großen Theil
deckenden Reihen ziemlich langer Streifen fort, unter denen noch
ein Futterstoff hervorragt. — Von der Stelle des Baumstumpfes,
wo die Beinschienen aufruhen, geht nach jeder Seite eine Kette,
durch die je ein Gefangener mit auf dem Rücken zusammen-
gebundenen Händen angefesselt ist. Der Gefangene r. kauert
auf dem mit einem Gewandstücke (?) bedeckten Boden, hat den
Oberkörper nackt, trägt faltige Beinkleider, die über den Knöcheln
zusammengebunden sind, an den Füßen aber Sohlen, die durch
an den Knöcheln zusammenlaufende Riemen befestigt sind. Der
Gefangene 1. sitzt auf einer aus aufgehäuften Steinen gebildeten
Erhöhung, trägt einen über der r. Schulter genestelten Mantel,
auf dem Kopfe einen Hut in der Form eines abgestumpften Kegels
und an den Füßen Schnürschuhe. Der Kopf ist beidemal nur in
den Umrissen erhalten.

Links von dem zuletzt erwähnten Gefangenen schließt sich
in dem ungefähr 30 cm hohen Raum unterhalb des In-
schriftenfeldes eine Menge Warfenstücke an, zunächst drei
Schilde, dann ein Panzer, weiter sechs Schilde, dazwischen ein
kurzes, gekrümmtes, einschneidiges Schwert und ein Köcher mit
herabhängendem Deckel. In der Mitte des letzten Schildes hört
mit dem Stein die Darstellung auf. — Die einzelnen Schilde
haben die verschiedenste Gestalt (kreisrund, oval, auch oben aus-
geschnitten) und zeigen mannigfaltige Verzierungen (darunter auf

5) Über den xä^vv^ die „galatische" Trompete, vgl. insbes. Babelon,
descr. des monnaies de la republ- Rom. II. p. 550 f.; Abbildungen des xuqvv!- (mit
nicht immer genau zu bestimmenden Thierköpfen) auf Münzen: ebenda I. p.
243, 279, 374, 452, 516, 553, IL p. 7 (no. 46), 11, 12, 17, 282 (no. 143), 384,
499; bei Cohen III. p. 17 u. 19. Von diesen steht der Form unseres xüqvv^
am nächsten die Form auf der Münze des C Fundanius (ßabelon 1. p. 516).
Die dem Vogelkopf aufgesetzten Ohren haben eine Analogie in dem römischen
Typus des Greifen.
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