Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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da es insbesondere wegen der Variante Sabljars Vidasoe ziemlich
zweifellos ist, dass man dort eine gleichlautende Widmung anzu-
nehmen hat. Es kommt somit die im Index des C. I. L. III an-
geführte Gottheit Vidasolithana (oder zwei: Vidasol, Thana?) in
Wegfall, und wir lernen statt dessen ein bisher unbekanntes Paar
nationaler Gottheiten verschiedenen Geschlechts kennen, einen
Vidasus und eine Tiana. Die naheliegende Identificierung der
letzteren mit Diana ist nicht völlig sicher, da diese Schreibung
sonst sich nicht wiederholt; jedoch ist nicht ausgeschlossen, dass
der Anklang an Diana beabsichtigt ist und auf eine volksety-
mologische Umgestaltung des barbarischen Namens zurückgeht,
wie ja in den Provincial-Garnisonen die Umformung fremder Culte
zu römischen schrankenlos betrieben wurde (Preller R. M. II 419).
Ob Vidasus (Stamm viel ? kelt. Endung asus ; würde als Sonnen-
gott, öc; TrdtVT5 eepopa, sehr gut zu einer Diana passen) der Gemal
der Tiana ist oder sich zu ihr wie Apollo zur Diana verhält?

3) Glina in Kroatien. Hauptmann v. Milic schickte uns
den Abdruck eines Siegelringes aus Gold, 3 mm dick, Dm. im
Leeren 2*3 cm, im Besitze des Kaufmannes Paul Babic.

Fundstelle bei der Ruine Brubno, 2 Stunden von Glina gegen
Klasnu-Zirovac.

Der 1*6 cm lange, 1*3 cm breite Stein zeigt folgende Inschrift:

also in griechischen Lettern das lateinische Paulina vivas
Cost(h)anti.

Die Wunschformel vivas findet sich wiederholt auf Gemmen,
z. B. C. I, L. XII 5692, 17, mit hinzugefügtem in deo z. B. VIII
10485, 4; mit vorangesetzten Vocativ X 8061, 11; IX 6084, 8;
die meiste Ähnlichkeit zeigt C. I. L. V 8122, 11 Geronti cum
Lucina vivas. Jedoch eine vollkommen entsprechende Analogie
für den Dativ bei vivas haben wir nicht gefunden.

Sisek

Der Alterthumsverein, der hier bestanden hatte, hat sich
wieder aufgelöst, weil ihm die erzielten Erfolge nicht lohnend
genug schienen; jedoch wird zugegeben, dass überhaupt nur ein-
mal vierzehn Tage lang wirkliche Ausgrabungen stattgefunden
haben. Die Fundstücke sind größtenteils nach Agram gebracht.

Archäologisch-epigraphische Mittheil. XIII 2
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