Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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6) Eph. II 417 Nr. 850. Sandsteinplatte in Form eines
stehenden Rechtecks, mit einem giebelgekrönten Relief, jetzt im
Agramer Museum. Der ganze Stein ist 1'55 m h., circa 85 cm br.,
das Inschriftfeld 60 cm h. und fast ebenso br. Uber der Inschrift,
durch ein Gesimse mit Pflanzenornamenten von ihr getrennt,
eine Nische mit männlicher Porträtbüste in starkem Relief; der
ebenfalls mit einem Rankenornament gezierte Querbalken darüber
wird von zwei Säulen mit korinthischem Capitell getragen, welche
Inschrift und Nische einschließen. Oben dreieckiger Giebel mit
Gorgoneion, von dem Schlangen auslaufen. Die Ecken über den
Seiten des Giebels sind stark beschädigt.

Z. 2 T deutlich vorhanden; Z. 3 L • F •; das mit R ligierte E
ist nicht zu bemerken; Z. 5 K • S • S gehört in die rechte Hälfte.

7) Agramer Museum; in Ogulin (zwischen Karlstadt und
Zengg, bei Josephsthal) 1888 gefunden.

Viereckige Basis aus Sandstein, 1 m h., circa 65 cm br.
und d.; Buchstabenhöhe 5*5 cm (letzte Z. 5 cm), Zeilenabstand
1—1*5 cm.

Das Inschriftfeld an der Stirnseite ist gleich den leeren
Feldern an den Seiten, r. und 1. von einer Hohlkehle und flachem
Rahmen eingefasst. In der roh behauenen oberen Fläche zwei
Dübellöcher, und zwar in der rechten vorderen und der linken
hinteren Ecke, 6—7 cm vom Rande, 6 cm 1., 8 br., 3—4 cm t.
Die Buchstaben der Inschrift sind nicht tief eingemeißelt. Der
Stein ist stellenweise etwas beschädigt, jedoch die Inschrift gut
erhalten.

IMP CAESAR
AVGPPCOSV
DECRETO
DECVRIONVM

Die Inschrift gehört nach dem Buchstabencharakter wohl
in das erste Jahrhundert n. Chr. Welchem Kaiser sie gelte, lässt
sich nicht entscheiden. Augustus ist durch die Combination der
Titel ausgeschlossen. Dagegen - würde dieselbe auf Claudius,
Nero, Vespasian oder Trajan passen. Eine ähnliche Inschrift zu
Ehren Nervas aus Vital bei Ottocac, dem alten Arupium, ist
C. I. L. III 3006. Wenn in unserer Inschrift der Kaiser nicht
beim Namen genannt wird, so ist das befremdlich, aber nicht
ohne Beispiel, vgl. C. I. L. III 6308. Darüber, dass in der Ge-
gend des Fundortes eine römische Stadt unbekannten Namens
gelegen war, s. Mommsen im C. I. L. III p. 384 und 388.
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