Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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geschwollenen Backen, seinen wulstigen Lippen, seinem Doppel-
kinn sitzt auf einem dicken Hals. Die Augen sind merklich
schief gegen die Nasenwurzel gerichtet. Das Haar besteht aus
kurzen Locken.

Der Gesichtstypus gleicht keinem der erhaltenen Kaiser-
porträts. Wir werden vielleicht darin einen um Sirmium be-
sonders verdienten Municipal-Functionär zu sehen haben.

Da die Büste gute Arbeit zeigt, würde sich ein Abbildung
derselben empfehlen; jedoch mussten wir darauf verzichten, da
uns nur eine völlig ungenügende Photographie zugebote steht.

4) Gemeindeamt 5 kürzlich gefunden.

Kopflose Attisstatue aus grobem Marmor, 50 cm h., auf einer
viereckigen, 4 cm dicken Plinthe. Quer durch die Knie ein Bruch.

Attis steht in typischer Stellung aufrecht in Vordersicht auf
dem rechten Beine, dessen Fuß gerade herausragt, während das
linke Knie so gebogen ist, dass die Sohle des linken Fußes auf
dem Rücken des rechten ruht. Der rechte Arm ist rechtwinklig
gebogen, die fast ganz abgestoßene Rechte unterstützte den linken
Ellenbogen wohl mit dem Handrücken, indem die Hand ein rechts
mit dem gekrümmten Ende auf den Boden aufgestütztes Pedum
hielt, dessen oberster Theil mit der Hand fehlt. Die linke Hand
mit etwas gekrümmten Fingern ist gegen das Kinn erhoben. Die
Beine sind mit Anaxyriden bekleidet. Das gegürtete Untergewand
mit Überfall reicht bis zum Knie; es hat eng anliegende, wenige
Falten bildende Ärmel, die bis zur Handwurzel reichen. Ein
großer, auf der rechten Achsel genestelter Mantel ist vorn in drei
bis vier Falten über die Brust und den linken Oberarm geschlagen,
von dem er in Falten seitlich niederfällt; rückwärts reicht er bis
auf den Boden und ist ganz faltenlos. Dies, sowie der Umstand,
dass die Rückseite der Beine, wie in einem Relief mit dem Hinter-
grunde, den der Mantel bildet, zusammenhängt, beweist, dass die
Statue bestimmt war, nur von vorne gesehen zu werden.

Dieser Typus ist mit geringen Veränderungen auf Grab-
monumenten häufig, wir erwähnen nur Rhein. Jahrb. IX Taf. VI,
XXIII Taf. I u. II, LXXVII Taf. I; er wird in der Regel doppelt
an jedem angebracht, s. Haackh Verh. der Stuttgarter Philologenvers.
1856 S. 176 ff. Statuarisch erscheint er ziemlich selten, vgl.
Dütschke, Antike Bildwerke in Oberital. V 625, Friederichs,
Berl. ant. Bildw. II 2008, Monumenti 1856 tav. XXVII 1 u. 2
(beinahe Hochrelief zu nennen). Übrigens scheint auch unsere
Statue in der Nische eines Grabmonumentes gestanden zu haben.
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