Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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5) Stadtpark.

Sarkophag aus Sandstein; er war mit der Vorderseite zu
unterst in die Erde gesenkt, aus der er zur Hälfte hervorstand,
wurde aber auf unsere Veranlassung ausgegraben und soll nun
im Parke zur Aufnahme von Blumen dienen.

Die Vorderseite zeigt drei Felder im Rahmen, von denen
das längste in der Mitte völlig leer ist; in den schmäleren Feldern
je eine Porträtbüste in Relief, rechts eines bekleideten unbärtigen
Mannes (?), links einer Frau (breiter und kürzer); die Arme sind
quer an den Leib gelegt, Details unkenntlich. Auf der linken
Seitenfläche im vertieften Felde ein Relief: phantastisches Thier
im Profile, nach rechts vorspringend; Hinterleib eines Löwen
mit langem Löwenschwanze, der nach abwärts bis zur Ferse
und dann wieder bis zu seiner Wurzel aufwärts geschlagen ist.
Das linke Hinterbein ist vorgesetzt. Die ungelenk gearbeiteten
Vorderbeine sind parallel diagonal vorgestreckt und berühren den
Boden nicht. Sie scheinen, so wie der ganze Vorderleib, Kopf
und Pranken ausgenommen, schuppenbesetzt zu sein. Hals und
Kopf sind unverhältnismäßig schmal. Der Kopf hat kleine Spitz-
ohren, schmale Augen; der Rachen ist weit geöffnet, Zähne sind
angedeutet; der Unterkiefer läuft in eine Spitze aus (Greif?).
Die rechte Seitenfläche zeigt ebenfalls ein phantastisches Thier
(in Seitensicht nach links), mit einem dem andern ähnlich gebildeten
Vorderleib, der auf den vorgestreckten Vorderbeinen ruht; das
Hintertheil endigt in einem geringelten Fischleib (Seegreif?).

6) Stadtpark.

Fragment einer oblongen Sarkophagplatte mit Relief aus
grobem Marmor, vor circa 5 Jahren gefunden; links unverletzt,
unten und rechts abgebrochen, jetzt auf einen Sockel gestellt und
von hinten und rechts in einen Mauerkasten eingeschlossen; circa
90 cm br., 52 cm h., 20 cm d.; dem oberen Rande entlang an der
rückwärtigen Kante ein vielfach beschädigter, erhöht hinlaufender
Falz für den Sarkophagdeckel, 8 cm d., 5 cm h. Erhalten ist
von drei durch Antenpfeiler mit aufruhenden Bogen gebildeten
Reliefnischen die linke fast vollständig, die mittlere nur zum
kleinsten Theile. Die Antenpfeiler haben vegetabilische Ver-
zierung und sehr niedere korinthische Capitelle; in den Zwickeln
über ihnen Palmettenornamente. In der Mitte über dem zweiten
Pfeiler von links ein 6 cm tiefes cubisches Loch. Das Relief hat
stark gelitten. Es zeigt in der linken Nische Apollo nach rechts
sitzend, die Leier spielend, im allgemeinen ähnlich Exemplaren,
unter den von Overbeck, Kunstmythologie Bes. Th. III. Bd.,
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