Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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feinsinnige Behandlung dieser Variationen mit der Compositum
des Timomachos als einheitlichem und in letzter Linie einzigem
gemeinsamen Ausgangspunkt für richtig hält7 wird auch in unsrer
Medeia einen Reflex jenes berühmten Bildes finden.

Der gütigen Mittheilung meines hochverehrten Lehrers Prof.
Usener verdanke ich, bei dieser Gelegenheit auf eine bisher nicht
herangezogene litterarische Erwähnung von Kunstdarstellungen
der kindermordenden Medeia aufmerksam machen zu können.
Der ägyptische Kirchenschriftsteller Asterius erzählt in No. XI
seiner zuletzt bei Migne Patrol. graeca 40, 155—480 abgedruckten
Schriften, der eKqppacic; de, uapxupiov xfjc; TTaveuqprjuou udpxupoc;
Euqpnuiac;, wie er eines Tages, von der Leetüre des Demosthenes
sich zu erholen, auf den Markt gegangen sei und dort in einer
Säulenhalle ein Bild von großer Schönheit gesehen habe.
Euqppdvopoc; av eluec; eivai tö cpiXoxexvnua r\ xivoc; eKeivuuv tüjv
iraXaiüüv, o'i xrjv ypacpiKriv fjpav eic; ueya, euvjjuxouc; öXrrou öeovxoc;
epYacduevoi mvaKac;. Er schickt sich an, dies wirkungsvolle Bild
zu beschreiben; denn — sagt er mit vollem Bewusstsein seiner
ekphrastischen Kunst — ouöe fdp ,cpauX6xepa Trdvxwc; xüuv £uuYpdcpuJV
oi uoucüuv rraiöec; exouev cpdpuaKa. Das Gemälde des frommen
Malers stellte die Vorführung der heiligen Euphemia vor ihren
Richter dar; Asterios schildert die Gestalt des Richters, seine
Umgebung, die Kleidung der Märtyrerin, sowie die beiden Soldaten,
die sie heranführen und fährt dann fort: KeKpauevov xnc; rrapGevou
tö rjGoc; aiöoT Kai axeppöxnxi. Neuei uev ydp eic; yfiv üucirep epu-
Gptüüca xdc; öipeic^ xüuv dppevuuv • ecxr)Ke öe aKaxaTrXr|Kxoc;, ouöev
Trdaxoucra irpöc; xöv aYÜuva öeiXöv ■ üue; erwie tobe, d'XXouc; xeux;
eTtxjvouv £u)Ypdcpouc;, öx5 dv eOeacrdunv xfjc; juvaiKÖ«; eKeh/nc; xfjc;
KoXxiöoc; xö öpdua, öttujc; ueXXoucra xoic; xekvoic; emqpepeiv xö Eicpoc;,
eXecu Kai Guuüj uepi£a xö irpocuuuov, Kai Gdxepoc; uev xüuv öqpGaXuüuv
xrjv opyriv euqpavi£ei, Gdxepoc; öe ty\v unxepa unvuet, cpeiöouevnv Kai
qppixxoucav • vuv öe xö Gauua, dir' eKen/nc; xfjc; evvoiaej Tipöc; xauxnv
uexaxeGeiKa xf]v ypaqprjv. Kai (Tqpööpa ye dyauai xou xexvixou, öxi
luidXXov euiHev xüuv xpwudxuuv xö rjGocj, aiöüu xe öuoö Kai dvöpeiav
Kepdcracj, rraGn Kaxd cpuaiv uaxpueva. Soweit die eKqppacrtc; des
Asterius, der weiterhin das zweite Theilbild seines bewunderten
Kunstwerkes, die Marterscene selber schildert. Der ziemlich
schwache Vergleichungspunkt, der dem Kirchenschriftsteller an
der ausgeschriebenen Stelle zur Erwähnung von Medeiabildern
Anlass gibt, beruht lediglich auf der Mischung zweier einander
widerstreitender Gefühle, die die Geschicklichkeit des Künstlers
auf einem Gesichte zum Ausdrucke bringt. Schon die Schwäche
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