Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 53
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1890/0063
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
auf die beistehende Abbildung nur bemerken, dass ich es nicht
für glücklich halten kann, wenn Maionica das Pester Relief in
Bezug auf die Beinbewegung des Schwanes mit dem bekannten
Berliner Relief zusammenstellt; mit der jedesfalls dramatisch
lebendigen Composition des letzteren hat die vollendete Langweile
unserer Darstellung wenig gemein; die Berliner Leda ist im Be-
griffe, dem Liebesfeuer des Gottes zu erliegen, unsre Leda steht
da, als gälten ihr die Worte, welche Jahn über die Leda des her-
culanischen Bildes Pitt. III 9 schrieb : „sie hat den Schwan freilich
beim Halse gefasst, allein sie sieht ihn so schmachtend an, dass
es sehr zweifelhaft erscheint, ob sie ihn nicht vielmehr ihrem
Kusse nähern will" (Arch. Beitr. S. 10). Der Berliner Schwan

Fig. 6. Fig. 7.

zeigt die siegreiche Macht des Götterkönigs, der sich in ihm ver-
borgen hält; der Schwan des Pester Reliefs ist fast gänseartig
klein gebildet und streckt ungeschickt, ja komisch steif sein
rechtes Bein dem Mädchen entgegen. Es scheint misslich, bei
solcher Grundverschiedenheit ein einzelnes Motiv zum Zwecke
des Vergleiches herauszugreifen.

Weit gelungener ist die Composition des bei Maionica eben-
falls schon erwähnten Ganymedreliefs (Fig. 7); der prägnanteste
Moment des Vorganges ist zur Darstellung gewählt: eben hat
der mit phrygischer Mütze, Chlamys und Stiefeln bekleidete
Knabe den Adler erblickt und schickt sich ängstlich an, die
Flucht zu ergreifen, wobei er die geöffnete Rechte abwehrend
erhebt, indes die Linke das Lagobolon hält; aber schon hat ihn
der Adler mit mächtiger Klaue über der Hüfte gefasst und wird
loading ...