Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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deren Spuren am linken Oberschenkel sichtbar sind, das Schwert
gehalten zu haben, dessen die Priesterin zur Opferung der beiden
Gefangenen bedürfen wird. Diese selbst erscheinen links von
dem Altare mit auf dem Rücken gefesselten Armen und lang
über den Rücken herabhängender Chlamys nebeneinanderstehend;
der dem Altar zunächst stehende, nur bis zu den Hüften erhaltene,
erscheint auffälliger Weise größer gebildet als sein Genosse, von
dem der ganze Körper bis zu den Umrisslinien des leise gesenkten
Kopfes sichtbar ist. Wir rinden somit in dem ziemlich situations-
losen Nebeneinander der Figuren den Moment vor der Opferung,
beziehungsweise der Wiedererkennung der Geschwister dargestellt;
es fehlt der Skythe, der die Gefangenen auf den Parallelmonumenten
römischer Zeit herbeiführt, ebenso fehlen die Dienerinnen, die
wir auf dem herculanischen Wandgemälde (no. 84 in Overbecks

Fig. 9.

Aufzählung) finden, und die mit dem Götterbilde verbundene
Localbezeichnung, wie sie das Wandbild und der Münchener,
sowie der Weimarer Sarkophag enthalten. Auch das schöne, viel-
leicht auf Timomachos zurückgehende Stellungsmotiv der beiden
Jünglinge ist nicht wiedergegeben. Übrigens verrät sich die Roh-
heit der Provinzialtechnik namentlich in der Art der Wiedergabe
an sich guter Gewandmotive; man beachte, wie schwer und steinern
die Chlamys auf dem Nacken des Jünglings zur Linken ruht.

Die rechte Schmalseite des Ofener Sarkophages (Fig. 9)
enthält eine Darstellung der Bestrafung des Marsyas, deren ein-
fachsten, nur die drei Hauptfiguren enthaltenden Typus sie in
interessanter Weise abweichend von dem gewöhnlichen Schema
wiedergibt. Ich will zu Weisshäupls Beschreibung nur nach-
tragen, dass die Finger der linken Hand des Gottes in halber
Höhe der Saiten sichtbar sind, wie es auch Herrn Michaleks
Zeichnung darstellt. Die ausgestreckte Rechte Apollons wird
das Plektron gehalten haben. Das Gesicht des Schleifers ist bis
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