Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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auf die Augenpartie stark bestoßen; interessant ist die Form des
Messers (vgl. Schlie Schweriner Gypsabgüsse S. 266), das mit einem
Bügel versehen und an dessen Rückenleiste von dem Schleifer
gehalten wird. Der Blick des Skythen ist hier auf Apollon ge-
richtet — vielleicht ein Beleg für die freie Benützung der Vorlage-
bücher durch die Sarkophagarbeiter, bei der sich die Figuren der
Bilder zuweilen wie lose Typen zu verschieben scheinen.

Hier schließen sich zweckmäßig einige Worte über die rechte
Schmalseite des bekannten Szegszarder Sarkophages an, die nach
Kubinyis9) wenig gelungener Abbildung hier in treuerer Abbildung
zu geben nicht überflüssig sein wird (Fig. 10). Zur Linken sitzt
auf nicht sichtbarem Felsen(?)sitz der bekränzte Gott; er stützt

Fig. 10.

das entblößte rechte Bein nach links hin auf einen niedrigen Stein,
das linke Bein ruht auf dem Boden und wird von einem über
die linke Körperseite herabfallenden Mantel völlig eingehüllt —
ganz nach dem Motiv, das wir beim Apollon des Pacca'schen
Musensarkophages (Annali 1871 tav. DE, a; Overbeck Apollon
S. 286) finden. Mit der Rechten hält der Gott das Plektron in
der Mitte der Brust, die Linke stützt die Leyer auf den Kopf
des Greifen (cf. dazu Matz-Duhn no. 2895; Overbeck S. 287),
der mit übereinandergelegten Vordertatzen zu Füßen seines
Gottes und als sein Träger erscheint. Dicht daneben steht der
Schleifstein, auf den der Skythe das Messer flach aufgesetzt hat,

9) August v. Kubinyi, Szekszarder Altertümer. Pest 1857 Taf. IIa. S.
15 f. Kubinyis Abbildung ist mit Weglassung der Farben wiederholt bei
Michaelis Annali 1858 tav. N, 2. S. 326 f.
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