Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 69
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mit den Füßen an dem Wagen angebunden und schleift mit weit
über den Kopf ausgereckten Armen im Staube nach. Zwei Frauen
hinter dem Wagen des Achilleus hereilend, sind auf dem zweiten
Stücke der Marmorplatte nur noch in ihren Umrissen erkennbar,
die vordere greift, wie es scheint, in verzweifeltem Schmerze in
ihr gelöstes Haar, die ihr fol-
gende Gestalt hat beide Arme
weit auseinander emporgehoben;
die eine Hand und ein Stück
des sie umflatternden Gewandes
sind noch deutlich sichtbar.

Michaelis22) hat gegenüber
der Ausnahme, die der Achilleus-
sarkophag von Kreta bildet, dar-
auf aufmerksam gemacht, dass
in den — übrigens noch immer
nicht sehr zahlreichen Reliefdar-
stellungen von Hektors Schleifung
stets die Mauer Trojas als Hinter-
grund erscheint, während die
Vasen bilder bekanntlich die
Schleifung um das Grabmal des
Patroklos darstellen. Den von
ihm citierten Beispielen reiht sich
mit einer Andeutung der Stadt-
mauer auf der linken Seite das
Relief von Gredischte bei Kanitz
Rom. Funde in Serbien S. 11T. III
Fig. 4 an7 während das Relief von
Maria-Saal bei Jabornegg-Alsen-
fels Rom. Altertümer in Kärnthen
S. 68 Fig. CXLIII des localen
Hintergrundes entbehrt.

Die Schleifung um die tro-
ischen Mauern und somit wohl
auch die Mauer als Hintergrund
der bildlichen Darstellung erscheint auch in der Beschreibung des
Bildes bei Vergil Aen. I 483, für deren Würdigung auf Benndorfs

OD

22) Michaelis A. Ztg. 1862 S. 344*. Zu den Keliefs der Hektorschleifung
vgl. Overbeck Heroengallerie S. 459 ff. A. Ztg. 1864 S. 211* f. — Annali
1861 S. 31 Taf. B. 2; 1875 Taf. M. — Bull, comun. 1877 Taf. XII f.
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