Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Bemerkungen Annali 1866 S. 258 verwiesen sei. Die geschnittenen
Steine hat Overbeck nach dem Erscheinen oder Fehlen der Stadt-
mauer classificiert.

Was die beiden Frauengestalten zur Linken betrifft, statt
derer in anderen römischen Darstellungen die auf dem Silberge-
fäß von Bernay zu höchstem dramatischen Effect gesteigerten
Figuren auf den Zinnen der Stadtmauer erscheinen, so genügt
es, an die Analogie der Ära Casali (Andromache mit 2 Diener-
innen) und namentlich wegen der ausgestreckten Arme an die
Paste Musee Ravestein no. 1994 (1483) zu erinnern, die der
Katalog so beschreibt: Achille se retournant et trainant a son
char le corps d' Hector autour des murs de Troie; au fond, An-
dromache, eploree, levant les bras. Inscription illisible. Pate.23)

Weniger Worte bedarf es über
das in Fig. 22 wiedergegebene Oidipus-
relief. Fundort mir unbekannt. Kalk-
stein: Höhe 87 cm; Breite 59 cm;
Dicke o0 cm. — Vielleicht ursprünglich
Untertheil eines Grabsteines, in welchem
Falle für eine sepulcrale Beziehung
der Darstellung Petersen Annali 1860
S. 374 ff. zu vergleichen ist.

Auf niedrigem Felsblock hockt
zur Linken die klein gebildete, be-
flügelte Sphinx und wendet ihr von
langen Locken umrahmtes Antlitz nach
rechts hin in halber Vordersicht dem
vor ihr stehenden Oidipus zu. Dieser
hat das linke Spielbein leicht vorgesetzt und hält die Rechte nach-
denklich an Kinn und Mund, indes die Linke den Speer hält;
seine Kleidung besteht nur in der kurzen Chlamys, die über
der rechten Schulter genestelt ist; in den Nacken fällt sein
langes Haar in reichen Locken herab; von einem Petasos ist
nichts zu sehen. Ein einfacher, oben geschweifter Rahmen fasst
die Darstellung ein.

Die relative Seltenheit unsrer Scene auf römischen Reliefs
hat bereits Overbeck Heroengallerie S. 52 hervorgehoben, der
gegenüber 19 Vasenbildern nur 2 Steinreliefs römischer Zeit

23) cf. auch Ovid Trist- IV 3, 29, wo der Vergleich, der mit Rück-
sicht auf den Betrauerten so wenig paösend ist, vielleicht durch eine .Kunst-
darstellung dem Dichter nahe gebracht war; Consol. ad Liv. 319 ff.
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