Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 73
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unterbrechen. Schon Brunn1) hat dafür eine Erklärung gesucht,
indem er annahm, dass die Henkel an die bereits fertig bemalte
Vase angesetzt worden seien, so dass sie an den erwähnten Stellen
Theile der Zeichnung verdeckt hätten. Allein dieser bisher un-
bestrittenen Erklärung stellen sich nicht unerhebliche Schwierig-
keiten entgegen. Schon Weizsäcker (Rh. Mus. 1877 S. 31) hat
von einer „unbegreiflichen Rücksichtslosigkeit" gesprochen, mit
der die Henkel aufgesetzt worden seien, und es ferner schwer
erklärlich gefunden, warum nicht einfach Raum für die Henkel
ausgespart worden sei. Beide Bedenken sind in der That be-
rechtigt, wenngleich man sich mit ihnen immerhin noch auseinander
setzen könnte. Wichtiger erscheint mir eine andere, technische
Schwierigkeit. War die Vase bereits völlig bemalt, als die Henkel
aufgesetzt wurden, so musste sie mindestens einmal, wenn nicht
zweimal gebrannt worden sein: ich zweifle aber sehr, ob es dann
noch möglich war, die Henkel nachträglich anzubringen, ohne
durch neuerlichen doppelten Brand, der zur Befestigung und Be-
malung derselben erforderlich war, das ganz W erk zu gefährden.
Den Ausschlag aber gibt eine Betrachtung der Raumverhältnisse.
An zwei Stellen ist durch die Henkelansätze ein Theil eines
Viergespannes verdeckt und so die Möglichkeit eines Ver-
gleiches mit den vollständig erhaltenen gewährt. Da ein solcher
Vergleich auf dem Vorlegeblatte nicht unmittelbar angestellt
werden kann — Raummangel zwang dazu, von einer genauen
Wiedergabe der Abstände an diesen Stellen abzusehen — muss
ich dafür auf die Skizze auf Tafel H verweisen. Dieselbe ist von
mir nach genauen Messungen am Original, für deren Vornahme
ich Herrn Director Milani zu großem Danke verpflichtet bin,
angefertigt und gibt den Thatbestand am Original in der be-
zeichneten Reduction (x/2) wieder.

Legt man nämlich eine Bause irgend eines der vollständigen
Gespanne so auf eines der beiden unvollständigen, dass die ent-
sprechenden Theile sich möglichst decken, so stellt sich sofort
heraus, dass in jedem Falle ein Stück der Bause über den durch

x) Brunn bullettino dell' instituto 1863 S. 190 : „Le figure di Nettuno
ed Anfitrite non mancano per difetto di conservazione, ma vi e sovrapposta
l'una delle due attaccature del nianico, come l'altra sulle figure di Marte e
Venere. Nel medesimo modo dalla parte opposta un' attaccatura copre una
porzione dell' animale marino innanzi alla testa dell' asino di Vulcano,
e soltanto la quarta cade sulla divisione della composizione tra Vulcano e la
casa di Tetide. I manichi dunque vennero attaccati soltanto dopo che giä era
dipinto tutto il corpo del vaso."
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