Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 77
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Gespannen von Poseidon und Ares aber, deren Götterpaare die
Henkel zu verdecken scheinen, stehen sie unterhalb, gegen den
unteren Rand des Bildstreifens hin. Der Maler also, der an
diese letzteren Stellen die Namen von Ares und Aphrodite, von
Poseidon und Amphitrite anschrieb, gab damit Beischriften für
unsichtbare und nie vorhandene Figuren, welche hinter den ver-
deckenden Henkeln zu ergänzen, er der Phantasie des Betrachtenden
überließ. Wenn er dabei etwas mehr von den Henkeln verdeckt
sein ließ, als der Raum eigentlich gestattete, so wird man ihm
daraus natürlich keinen Vorwurf machen dürfen; aber unleugbar
liegt überhaupt eine starke Pedanterie in dem ganzen Verfahren,
und dies stimmt vollkommen zu der künstlerischen Eigenart, die
sich in der Gefäßzier durchgängig offenbart.

H.

Reichel a. a. O. S. 47 ff. erwähnt eine eigentümliche Art
von Riemen mit einer Schlinge am Ende, welche sich mehrere
Male auf der Vase findet (Arpylea, Kastor, Kaineus, Hoplon) und
erklärt dieselbe schließlich für eine Vorrichtung, um den Speer,
wenn er außer Gebrauch war, durchzustecken. Abgesehen davon,
dass nicht recht zu verstehen ist, wie die Verwendung dieser
Vorrichtung zu denken sei, lässt sich, glaube ich, als wirkliche
Bedeutung dieser Riemen etwas ganz Anderes nachweisen, durch
Vergleich der Pygmäendarstellung am Vasenfusse. Dort kämpfen
die Berittenen mit Schleudern gegen ihre Feinde; die erste aus
zwei Reitern bestehende Gruppe (links) finden wir in unmittelbarer
Thätigkeit, von den drei Kämpfern der zweiten Gruppe rechts
hält der Vorderste und Hinterste die Waffe mit eingelegtem Steine3)
in der gesenkten Rechten, um sie erforderlichen Falles sofort zu
gebrauchen (b auf Taf. II). Dagegen hat der Mittlere, der ja die
Zügel mit der Rechten hält, seine Schleuder ruhig hinter sich auf
sein Reitthier gelegt, so dass nicht wie bei seinen beiden Gefährten
das Mittelstück der Schleuder mit dem Steine sichtbar wird, sondern
das eine Ende derselben, an welchem eine Schlinge angebracht ist

3) Ich bemerke hier, dass auch in der Schleuder des hintersten Eeiters
auf dem Originale sich ein Stein findet, und nur durch ein Versehen des
Zeichners beim Übertragen der Bause auf dem Vorlegeblatte fehlt. Bei diesem
Anlasse sei darauf hingewiesen, dass der winkelig gebrochene Hals des ersten
der Kraniche, welcher diesen dreien entgegentritt, nichts anderes ist, als der
Flügelstreif des zweiten; der wirkliche Hals ist von diesem Flügel verdeckt,
die Undeutlichkeit kommt daher, dass der trennende Strich zwischen Flügel
und Kopf fehlt.
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