Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 84
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S. 200—225; VIII S. 34—36. Der Bruch geht über der rechten
Schulter des Jünglings herab und überschneidet den vorgestreckten
rechten Arm im Handgelenke. Abweichend von den übrigen
Denkmälern sitzt in unserem der Jüngling mit dem linken Ober-
schenkel auf dem Rücken des Thieres, mit dem rechten Fusse
tritt er auf das rechte Hinterbein des Stieres. Bekleidet ist er
wie gewöhnlich mit Chiton und Chlamys.

Links von der Hauptfigur steht ein Knabe mit gesenkter
Fackel. Er trägt ebenfalls Chiton und Chlamys. Sein Kopf
ist gegen die linke Schulter geneigt. L. oben erscheint die
Protome des Sol.

2. Votivara aus Kalkstein. Nur der untere Theil erhalten ■
h. 0-36; b. 0-27; d. 0-21. Basis h. 0-18; b. 0'34; d. 0:23.

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XI- L • X G
V-S-L-L-M

.... stra(tor) legati l(egionis decimae) g(eminae) v(otum)
s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito).

Diese Votivara war jedenfalls dem Mithras von einem Stall-
meister der 10. Legion geweiht. Die zehnte Legion lag ungefähr
seit Trajan in Vindobona. Denkmale derselben finden sich noch
in dieser Gegend aus der Mitte des dritten Jahrhunderts. Am
selben Orte, wo diese Denkmäler gefunden wurden, sind nach
den Angaben des Besitzers noch die Grundmauern eines römischen
Gebäudes erhalten. Nach den Funden können wir auf ein Mithras-
heiligthum schließen. Vgl. über die zahlreichen Mithrasheilig-
thümer in Pannonien Kenner Noricum u. Pannonia S. 83.

Wien, Juli 1889 G. SCHÖN

Zur Helena der Gjölbaschireliefs

In der Darstellung des bestürmten Troia, welche die Mitte
der Westwand in Gjölbaschi einnimmt, thront Helena prächtig
über den Zinnen der Stadt auf besonders verziertem Sitz, be-
gleitet von einer Dienerin, welche den königlichen Sonnenschirm
über sie hält.
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