Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Was aber die von Cichorius neu behandelte Inschrift aus
Apollonia Rhynd. betrifft, will ich an die Möglichkeit, dass die
Jahrzählung einer anderen als der asianischen Aera folge, nicht
glauben. Jene Stadt hat nicht bloß damals, als Plinius' Gewährs-
mann für nat. hist. 5, 123 schrieb, sondern auch noch zur Zeit
des Ptolemaeus (5, 2, 14) zu Asien gehört. Ich kann daher das
. fvp eroc; der Inschrift nur als die Zeit vom 23. Sept. 68 bis zum
22. September 69 deuten. Dieses äußerste Datum, 22. Sept. 69,
fällt fast drei Monate später, als die Erhebung Vespasians (1. Juli)
und ungefähr ebensoviel vor die Anerkennung seiner Dynastie
durch den Senat (Ende Dec). Daraus aber mit Cichorius zu
folgern, es sei „ganz unmöglich", vor diesem Termine („schon
im Sommer vorher") eine Ehrung des „Caesars" Domitian in
Apollonia anzunehmen, scheint mir verfehlt. Vespasian sah sich
als rechtmäßigen Kaiser an, nicht erst seit der Senat seinen
Gegner nicht mehr zu fürchten brauchte und sich ihm ungefährdet
fügen konnte, sondern seit dem Tage, da die aegyptischen
Legionen ihm den Eid der Treue geschworen hatten: qui dies
principatics in posterum observatus est (Sueton Vesp. 6). Von da
an nahm er als Rechtsnachfolger der julisch-claudischen Dynastie
alle Ehren und Rechte, die den Inbegriff der kaiserlichen Macht-
befugnis bildeten, in Anspruch, auch die Namen Caesar und
Augustusß), und so musste er folgerichtig auch seine Söhne in
alle Ehren und Rechte kaiserlicher Prinzen (d. h. Caesar es vgl.
Mommsen St. 2 3, 770, 4 f.) einsetzen und dies vor allem in den

Aerenjahr 204 gegeben, h:ovg 6d ^(rö?) Adov ß. Nun läuft das erste tribu-
nische Jahr Hadrians 11. Aug./9. Dec. 117, das Aerenjahr 204 aber 23. Sept.
119/120. Man sieht sich also wie gesagt gezwungen, entweder die Titulatur
des Kaisers in dieser Inschrift für noch unvollständiger zu halten als sie ohne-
hin erscheint, oder einen Lesefehler anzunehmen. Allerdings ist das Fehlen
einer Zählung der 6t\ii. i£. gerade auf griechischen Inschriften und Münzen
nichts Seltenes. — Gar nichts lässt sich mit der Inschrift aus Diokleia vom J.
Ö7ia, journal 4, 422 n. 34, anfangen. Die Beinamen des Kaisers Septimius
Severus, dem sie gewidmet ist, 2aQfiatiy.bg Fe^fiavt-Kog Bgetavizög, sind wun-
derlicherweise schlechtweg von seinem „Bruder" Commodus herübergenommen;
ja den erstgenannten hat er überhaupt nie geführt.

6) Tac. hist. 2, 80. — In der Münzprägung seiner ersten Kegierungs-
monate erscheint er selbstverständlich bereits als avroy.QatwQ Kalöag 2eßa6tbg
Oveönaötavög. In Betracht kommen hiefür die antiochenischen Silberstücke
und die von Caesarea; über die alexandrinischen des La, d. h. der Zeit vom
1. Juli bis zum 28. August, vgl. Sallet alex. Kaiserdata S. 22 und (worauf
mich Herr Dr. Pick aufmerksam machte) Barclay V. Head Numismatic chronicle
1886, 16. Sichere Münztypen seiner Söhne aus dem Jahre 69 sind nicht
bekannt. Vgl. Picks 3. Abh. „zur Titulatur der Flavier."
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