Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

Seite: 111
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1890/0121
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
111

sehr ins Gewicht 'fällt die Gleichheit der Bezeichnung des
kaiserlichen Gesindes mit auffallender Voranstellung des ex domo
cet. Damit wäre wohl die Vermuthung hinreichend begründet.
Nun besteht aber bei der sonstigen Gleichheit der Bezeichnung
in dieser Platte und den früher besprochenen der Unterschied,
dass in der Grabschrift der Tabernacularii das kaiserliche Haus
nicht domus Caesarum et Liviae sondern nur domus Caesarum
heißt. Schwerlich ist dieser Unterschied zufällig und etwa aus
willkürlicher Abkürzung zu erklären, sondern das kaiserliche
Haus wird, als diese Abtheilung eingerichtet wurde, eine solche
Änderung erfahren haben, dass es nicht mehr Caesarum et Liviae
sondern nur Caesarum war. Diese Änderung trat wohl nicht
erst mit dem Tode der Livia, sondern bereits mit dem des
Augustus ein, indem durch das Testament desselben seine Witwe
von ihm adoptirt und zur Iulia Augusta wurde. Danach fällt
dieses Inschriftenpaar nach dem Tode des Augustus, und es steigt
die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden anderen Inschriften
nicht lange vor seinem Tode und nach der Adoption des Tiberius
anzusetzen sind.

Wie und wo in der großen Columbarienanlage die Zam-
boni'sche Platte mit der allgemeinen Aufschrift und die anderen
besprochenen Inschriftplatten angebracht waren und welche von
den in diesem Jahrhundert und in früheren an der Stelle bei
Porta S. Sebastiano gefundenen und zum Theil noch vollständig
erhaltenen Columbarien derselben zuzuweisen sind, muss ich un-
erörtert lassen.

2) An die in Wien wieder zum Vorschein gekommene
Inschrift der Grabstätte für das kaiserliche Gesinde will ich ein
anderes gleichfalls vor kurzem zu Wien wieder aufgefundenes
und lange verschollenes Grabdenkmal anschließen, das außer der
Inschrift bemerkenswerte plastische Darstellungen trägt und für
Wien auch deshalb besonderes Interesse hat, weil es wohl das
erste römische Denkmal ist, das in Wien abgeschrieben und ge-
zeichnet wurde, und weil es mehrere Jahrhunderte hindurch in
der Mitte der Stadt an besonders hervorragender Stelle ein
Schaustück für die Einwohnerschaft gewesen ist. Der jetzt in
zwei Theile gebrochene etwa 1*65 m hohe und 0*84 m breite Cippus
aus weißem Marmor war von Herrn Baurath Alois Hauser im
vorigen October bei Gelegenheit der Besichtigung des für die
Ortlerspitze bestimmten Obelisken unter den auf den Magazin-
plätzen des Hofsteinmetzmeisters Eduard Hauser herumliegenden
loading ...