Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 13.1890

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Steinen bemerkt worden. Herr Baurath Hauser machte mir
freundlich Mittheilung von seinem Fund, und es ergab sich, dass
es der Cippus ist, der schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts
von dem Wiener Bochenswanz gezeichnet wurde und dessen
Inschrift sich in vielen Handschriften und Drucken findet, die
großenteils in der Publication im Corpus Inscr. Lat. Band III
S. 569 n. 4583 angeführt sind. Das Denkmal ist von Herrn Ed.
Hauser der kaiserlichen Antikensammlung zum Geschenk gemacht,
und eine Abbildung in seinem jetzigen Zustande in den Mitthei-
lungen der Centralcommission, Jahrg. 14 (1888) S. 276 heraus-
gegeben worden. Hinzugefügt ist eine eindringende und sach-
kundige, anscheinend Herrn Director Kenner verdankte Erörterung
der Angaben über den früheren Aufstellungsort.

Das Ergebnis ist, dass das Denkmal sich befand nächst
jener Thür der Umfriedung des Stephans-Freithofes, die unmittel-
bar neben der Ecke angebracht war, welche der Bischofhof mit
seinen beiden Fronten gegen den Stephansplatz und gegen die
Rothenthurm-Straße bildet5, und der Verfasser schließt: cSehr
wahrscheinlich wurde also unser Denkmal bei Erbauung des
Probst- jetzt Bischofhofes im 14 Jahrhundert gefunden; es gehörte
wohl jener Straße an, welche nächst der Hof-Oper von einer
anderen Römerstraße (Rennweg-Votivkirche) abzweigte, um über
die Spiegelgasse und Rothenthurm-Straße an die Donau zu führen5.

Der plastische Schmuck, für den ich auf die Abbildung ver-
weise, besteht in der Hauptsache aus den Halbfiguren des Ehe-
paares und eines kleinen Mädchens in dessen Mitte, das einen
Vogel hält, und darunter, in einem Streifen, der Darstellung von
Hunden, die Hasen jagen. Die Inschrift darunter lautete:

P-TITIV-S
FINITVS.
V> F'Sit* ET
IVCVr>D AECIVIS
5 FILCON
AN -XL

also P. Titius Finitus v(ivus) f(ecit) sibi et Iucundae Civis fil(iae)
con(iugi) an(norum) XL. — Jetzt fehlt in Folge des Bruchs Z. 2.

3) Einige Monate vorher hatte ich zufällig einen dritten
Römerstein zu Gesichte bekommen, der kurz vorher gefunden war
und merkwürdige Schicksale gehabt hatte. In dem Kreuzgang
der Abtei Lilienfeld war ein T08 m hoher, OS5 m breiter und
durchschnittlich 17 cm dicker Stein aus gutem Marmor aufgestellt,
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